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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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28 III- Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigj ährigen Kriege etc.

Vervollkommnungen im Festungbau bestanden: 1. in dem allmäblichenFortschritt von den früheren Mauern und Thürmen zu Courtinen undKondels, welche letzteren sich demnächst in die Bastlone der neuerenZeit verwandelten; 2. in der Anbringung des Glacis und gedecktonWeges, und vor den Thoren eines halbrunden Aufwurfs, welcher späterzum Ravelin wurde; 3. in der Anlegung, von andern niedrigen Bastio-nen zur Flankenvertheidigung neben den hohen Flankenbastionen;4. in der bedeutenden Erhöhung der Bastione, sowie Erbauung von hohenCavalieren in ihrer Mitte; und endlich 5. in der (durch Peter vonNavarra erfolgenden) Einführung von Pulverminen und Contreminen. Derin dieser Weise vervollkommnete Bau von Festungen, der in Italien zuerstentstand und von da durch italiänische Ingenieure auch nach Deutsch-land, Frankreich, den Niederlanden u. s. w. eingeführt wurde, ist unterdem Namen italienisches System bekannt.

Die Einnahme der Festungen erfolgte damals oft durch Escalade(Ersteigung mittelst Leitern), oder durch heimliche Verbindungen mitden Einwohnern, durch Bestechung, List u. s. w. Wo diese Mittel sichunmöglich oder unzureichend erwiesen, wurde die Festung eingeschlossenund regelmässig belagert, Laufgräben eröffnet (unregelmässig gebrocheneLinien), hohe Batterien errichtet, welche die Cavaliere in den Bastionsüberhöhten, und von da aus ein äusserst heftiges Feuer unterhalten. Aufder Höhe des Glacis (an der Crete) wurden Breschbatterien gebaut. DiePulverminen wurden anfänglich ziemlich ungeschickt hergestellt undwaren sehr unvollkommen; man griff deshalb noch häufig zu den früherenErdminen.

Die Belagerten richteten ihrerseits ein heftiges Feuer auf die Arbei-ten des Angreifers, beleuchteten sie bei Nacht durch glühende Kugeln,errichteten vor dem Graben halbkreisförmige Erdwerke oder hölzerneBollwerke, um die Belagerungsarbeiten zu stören, machten häufige Aus-fälle, vernagelten seine Geschütze u. s. w., und vertheidigten beim Sturmegegen die Bresche diese durch lebhaftes Feuer hinter Abschnitten mitWall und Graben, durch Werfen von Handgranaten, von Körben oderSäcken mit Steinen u. s. w. War aber die Festung mit Sturm genommen,so gab es weder für Garnison noch Bürger Pardon.

In der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts begann man in den Nieder-landen, der Zeitersparniss und Einfachheit halber und wegen des Mangelsan dem erforderlichen Steinmaterial hohe Erdwälle anzuwenden, vor wel-chen ein andrer niedrigerer lag, die Fausse-braye, um den Grabenund gedeckten Weg zu bestreichen. Den Schutz des gedeckten Wegesverstärkte man durch Anlegung eines 2. gedeckten Weges und einigePallissadenreihen vor demselben. Die wichtigste Verbesserung bestandin der Einführung von Aussenwerken (contregarde, Halblünette, Lünette,