Kriegsorganisation und Kriegskunst überhaupt. 27
gruben u. s. w. im Graben. Wenn Zeit und Umstände das Aufwerfensolcher Erdschanzen nicht erlaubten, so sicherte nach alter Weise dasHeer sich durch eine Wagenburg, vor welcher mitunter ein Erdaufwurfmit Graben gezogen wurde.
In der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts fing man an, die Feldbefesti-gungen mit noch stärkerem Profile zu errichten, und sie durch Bollwerke,Ravelins, und sogar durch Aussenwerke zu verstärken. Im niederlän-dischen Kriege wurden Sternschanzen construirt mit 4 — 6 Bollwerken,(Bastione) und zwar sowohl im Felde zum Schutz entlegener Posten, wiebei Belagerungen. Um diese Zeit kommen auch zuerst Anlagen vonBrückenköpfen (tete-de-pont) vor.
Die Lager wurden sehr sorgfältig und stark befestigt. Der Artillerie-Park, das Hauptquartier, bei Belagerungen sogar jeder Truppentheilwaren durch besondere Verschanzungen gedeckt, und um das Ganze einezusammenhängende Linie gezogen.
Im niederländischen Kriege, der Eigenthümlichkeit des Landes unddieses Krieges entsprechend, fand die Befestigung und Vertheidigung voneinzelnen Gebäuden, Fermes, Klöstern u. s. w., wie auch die von Dörfernund Flecken vorzugsweise Anwendung und ward sehr vervollkommnet.
Der Bau, die Belagerung und Vertheidigung von Festungen hielt im14. und der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts sich noch auf demselbenStandpunkt, wie zur Feudal- und Ritterzeit. Mauerbrechermaschinen,Wurfmaschinen, bewegliche Thürme, künstliche Feuer, Brandsubstanzenu. dgl. waren noch immer im Gebrauch, aber bei dem wachsenden Ein-fluss der Feuerwaffen seltener, bis sie endlich zu Ende des 15. Jahrhun-derts ganz verschwinden. Da wurden zur Belagerung und Vertheidigungder Festungen ausschliesslich schon grosse Geschütze und Mörser ange-wendet. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts, unter Karl VII., fing manin Frankreich an, bei der Belagerung Erdarbeiten auszuführen, freilichnoch in sehr unvollkommener Weise, und die Minen jener Zeit, ohnePulver, waren nichts als die früheren Unterhöhlungen der Mauern. DerBelagerer umschloss die Festung, wie ehedem, mit Circum- und Contra-Vallationslinien, zusammenhängend oder unterbrochen, und wenn derFeind zum Entsatz der Festung herannahte, so wartete man in denselbenseinen Angriff ab.
Wenn die Ingenieurkunst im 14. und 15. Jahrhundert keine wesent-lichen Fortschritte machte, so wurde sie dagegen im 16. Jahrhundertnach allen Hinsichten so vervollkommnet, zuerst in Italien, dann inFrankreich und den Niederlanden, dass zu Anfang des 17. Jahrhundertssie bereits einen hohen Grad der Ausbildung erreicht hatte, dem sie ihrespäteren Erfolge verdankte.
Die in der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts in Italien ausgeführten