26 HI- Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjiihrigen Kriege etc.
zucht bei den Heeren nur gering, Sittenverderbniss, Rohheit, Grobheit,Grausamkeit, Meuterei, Habgier ganz ausserordentlich, und Plündern,Rauben ähnliche Vergehen und Empörungen kamen unausgesetzt vor.Durch gänzlichen Mangel an militärischer Disziplin und Zucht thaten sichhauptsächlich die spanischen und italiänischen Truppen hervor, wenigerdie deutschen und schweizerischen.
Wenn das Gesetz die Vergehen strenge bestrafte, so wurden dagegenKriegsdienste und Auszeichnungen durch die Gnade des Herrschers oderdes Oberfeldherrn reichlich belohnt. Die Belohnung bestand entwederaus goldenen Ketten, als sichtbaren Auszeichnungen, oder Erhöhung vonRang und Würden, oder Geldgesehenken, welche bisweilen den Be-schenkten für sein ganzes Leben sicher stellten, u. s. w.
Die zunehmende Notwendigkeit und Wichtigkeit von Geld für denKrieg, und noch mehr die Geldgier zeigte sich besonders in dem Verhal-ten gegen Gefangene. Im niederländischen Kriege führten anfänglichbeide Theile den Krieg in höchst grausamer Weise und verfuhren auchmit den Gefangenen ebenso, von denen die Mehrzahl solchergestalt umsLeben kam. Seit der Regierung aber Don Juan's von Oesterreich, alsder Krieg einen weniger unmenschlichen Charakter annahm, begannman auch die Gefangenen besser zu behandeln, wobei man noch dieNebenabsicht hatte, möglichst hohe Loskaufsummen für sie zu erhalten.Anfangs war dieser Loskauf beliebig und kostete vornehmen Leutenungeheure Summen. In der Folgezeit wurde er aber einigermaassen ge-regelt, dahin, dass die Summe für Gefangene unter Obersten Grad nichtmehr als 1 Monatsgehalt für jede Charge betragen durfte.
§. 104.Ingenieur-Kunst.
Im 14. und 15. Jahrhunderte lagerten die Heere im Felde und inden Lagern unter dem Schutze der Fahrzeuge, mitunter noch durch einenGraben und Erdwall, Gelten mit Pallissaden, verstärkt. In der Kunst desBaues und der Vertheidigung von Wagenburgen waren besonders die Hus-sitenundihr unerschrockener Feldherr Jan (Johann) Zizka (Shishka)erfahren und berühmt; von ihnen aus verbreitete sich diese Kunst überDeutschland und das übrige Europa.
Bei dem zunehmenden Einfluss der Feuerwaffen begann man im15. Jahrhundert Erdschanzen zu bauen (schlangenförmig, gezackt, 3, 4,5 und noch mehreckig u. s. w.), welche aus Wall und Graben bestanden.Man besetzte sie mit Geschütz, verstärkte sie durch hohe Bollwerke oderRundele in den Ecken, bisweilen auch noch durch Pallissaden, Wolfs-