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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Kriegsorgunisution und Kriegskunst überhaupt. 25

welche deren Verfassung feststellten. Im 16. Jahrhundert wurde beson-ders viel gethan für die Befestigung des Gehorsams und der Subordina-tion. So erliessen während der 1. Hälfte dieses Jahrhunderts Ferdinandder Katholische in Spanien, Franz I. und Heinrich IL in Frank-reich, und Karl V. in Deutschland strenge Kriegsgesetze, welche zumZwecke hatten. Empörung, Zügellosigkcit, Corruption, Zweikampf u.s.w.im Heere auszurotten und Ordnung und Gehorsam zu befestigen. In der2. Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden die alten Kriegsgesetze bestätigtund durch neue vervollständigt, auch für die Ordnung des Dienstes,Kriegspflichten, Subordination, Strafmaassregeln für Vergehen u. s. w.genaue Regeln und Vorschriften erlassen. Die militärischen Verbrechenwurden entweder durch Kriegs-Gerichte oder durch Regiments-Gerichteabgeurtheilt. Die Kriegsgesetze waren im Ganzen sehr strenge, sogargrausam; Uebertretungen wurden meist mit dem Tode bestraft, durchAbschlagen des Kopfes, Erhängen, Treiben durch die Piken, und nachAbschaffung der Piken Erschiessen u. s. w. Todesstrafe stand auchauf Desertion, sowie auf Uebertretung der Regeln über den Zweikampf,welcher nur unter gewissen Bedingungen gestattet war. Besonders strengewaren die Gesetze in Bezug auf Empörungen der Truppen, wie solcheam häufigsten in den Niederlanden bei spanischen wie niederländischenTruppen vorkamen. Eine seltsame Erscheinung sind diese Empörungen:Truppen, welche Muster von militärischer Disziplin und Ordnung ab-gaben, so lange sie ihren Sold richtig ausgezahlt erhielten, durchbrachenalle Schranken des Gehorsams und der Subordination, sobald sie denSold längere Zeit oder überhaupt nicht erhielten. Aber selbst dann, wennsie ihre Offiziere abgesetzt, gefangen genommen, ja sogar umgebrachthatten, wählten sie sich nicht selten neue aus ihrer Mitte, leisteten ohneMurren ihnen Gehorsam und vollbrachten Wunder von Tapferkeit, wennauch zu dem unwürdigen Endzweck, um zu plündern und sich Geld zuverschaffen, und war dies Ziel erlangt, so unterwarfen sie sich vonNeuem der gesetzlichen Ordnung und waren gehorsam und ruhig, wiezuvor. Schwäche der Führer, schlechtes Verhalten derselben gegen dieTruppen, besonders aber schimpflicher Wucher und ähnliche Uebelthaten, wenn sie die Empörung der Truppen auch nicht rechtfertigten, gabendoch dazu den nur zu triftigen Grund und Anlass. Einige Obersten,welche bei den Truppen besonders beliebt und hochgeachtet waren (wiez. B. Don Juan von Oesterreich, der Prinz von Parma, und namentlichPrinz Moritz von Oranien) vermochten in ihren Truppen Disziplin undSubordination zu erhalten, im Fall aber von Meutereien diese durchseltene Geistesgegenwart rasch zu dämpfen.

Im Grossen und Ganzen aber war trotz der grossen Menge undStrenge der Kriegsgesetze und Bestimmungen Subordination und Manns-