24 III. Von Einführung der Feuerwaffen dis zum dreissigjiihrigen Kriege etc.
Heere erhielt auch deren Unterhalt auf Staatskosten ohne Zweifel einegeregelte Form; dennoch aber Hess diess noch viel zu wünschen übrig,theils wegen der traurigen Lage der Finanzen in allen Staaten, theilswegen häufiger Missbräüche und Ausschreitungen seitens der unterenInstanzen, wie wegen der Unzulänglichkeit der Truppen-Administrationu. s. w. Die Heere wurden nicht aus Magazinen, nicht durch geregelteRequisition aus feindlichem Lande, sondern durch Zufuhr aus dem eignenLande, oder durch freihändigen Ankauf verpflegt, in den meisten Fällenjedoch durch willkürliche Beitreibungen oder Raub. Daher litten sie sehroft Mangel an Lebensmitteln, und das behinderte die Ausführung derKriegsoperationen oder das Erlangen dauerhafter Erfolge durch dieselben,und es entstanden Hunger, Krankheit, Todesfälle, Unordnungen, Desertio-nen, und rasche Abnahme der Truppenstärke. Nach seinem unglücklichenFeldzuge von 1537 in Frankreich befahl Karl V. i. J. 1546, vor Beginndes schmalkaldischen Krieges die rechtzeitige Anlegung von Proviant-und Fouragemagazinen, die Bereithaltung einer bestimmten QuantitätZwieback beim Heere und die beständige Zutheilung einer gewissen An-zahl von Bäckern, Handmühlen, Feldbacköfen und Getreidekornes zudem Heere. Das ist aber auch das einzige Beispiel einer regelmässigenOrganisation der Verpfiegungsbranche während dieser ganzen Periode.
Die Besoldung der gemietheten und der stehenden nationalen Trup-pen war in den einzelnen Staaten sehr verschieden, entweder durch gegen-seitiges freies Uebereinkommen, oder durch besondere Festsetzungen ge-regelt. Im Allgemeinen erhielt die Cavallerie höhere Gehaltssätze, alsdas Fussvolk; fast überall wurde die Zahlung des Gehalts auf 3 Monateim Voraus beliebt, im 16. Jahrhundert existirte ausserdem der Brauch,dass für die Erstürmung einer Stadt oder Burg oder für eine gewonneneSchlacht das Heer einen Sturm-oder Schlacht-Sold erhielt; danngalt der laufende Monat für abgeschlossen und es begann ein neuer.
In Deutschland, wo die Heere hauptsächlich durch Werbung zusam-mengebracht wurden, zahlte man den Sold an die Obersten selbst aus.Aber aus den oben gelegentlich der Verpflegung angeführten Gründen,d. h. wegen der traurigen Finanzlage, dem Mangel an Gelde, und denUngerechtfertigtheiten Einzelner wurde die Auszahlung des Soldes sehrungerecht, häufig lange Zeit überhaupt nicht betrieben. Die Folge davonwaren, namentlich in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts, häufige Meu-tereien der Truppen, welche nicht ohne Unordnungen und Ungehörig-keiten aller Art abliefen.
Im 14. und 15. Jahrhunderte existirte bei den noch feudal organi-sirten Truppen weder Disziplin noch Ordnung überhaupt, bei den Söldner-und stehenden Heeren wurden sie jedoch gehandhabt, immer strengerjemehr deren Zahl zunahm und die Bestimmungen sich vermehrten,