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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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22 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum tireissigjähiigen Kriege etc.

Truppengattung eine besondere Form des Kampfes sich heraus, ingeschlossener oder zerstreuter Ordnung. Die Hauptstärke der Caval-lerie begann man immer mehr im Feuer, und nicht in der Attake mit derblanken Waffe zu suchen. Die Panzer- oder Speer - Reiter führten dieAttake in kleinen Abtheilungen aus, geschlossen in gestrecktem Galopp,die Piken nach vorn gesenkt. Die Kuirassire attakirten auf Fussvolkgeschlossen im Trabe, den Angriff von Cavallerie erwarteten sie stehen-den Fusses und gaben bei ihrem Herannahen gliederweise Feuer auf sieab. Die Karabinire führten bei der Cavallerie das Feuer ganz wie dieMusketire bei der Infanterie. Die Dragoner fochten in der Formationzu Fuss ganz wie die Infanterie. Beim Fussvolk gaben die Musketireihr Feuer in geöffneter oder zerstreuter Ordnung ab, die Pikenire abergriffen an oder erwarteten stehenden Fusses den feindlichen Angriff ingeschlossener Ordnung mit eingelegten Lanzen.

Wenn die beiden feindlichen Heere sich näherten, so wurden vonbeiden die Freiwilligen vorgeschickt, welche sich nun gegenseitig be-schossen. Während diese so das Gefecht eröffneten, formirten sich beideHeere in Schlachtordnung. Es kamen in dieser Zeit (bis zum 16. Jahr-hundert) noch Zweikämpfe zwischen den Feldherrn oder einfachen Krie-gern vor, auch Scharmützel zwischen einzelnen Abtheilungen. Der Kampfbeschränkte sich fast immer auf den Frontalangriff; Umgehungen undFlankenangriffe kommen nur selten vor und dann meist zufällig. Bis zum16. Jahrhundert gestaltete sich, wie vordem, die Schlacht zu einem all-gemeinen Kampfe, in welchem beide Theile ohne jegliche Ordnung solange rangen, bis der eine die Oberhand gewann. Daher waren auch dieSchlachten des 14. und 15. Jahrhunderts höchst blutig und endeten mitder vollständigen Niederlage, bisweilen sogar Vernichtung des Besiegten.Im 16. Jahrhundert wurden durch die Zunahme der Feuerwaffen dieSchlachten weniger blutig und entscheidend. Der geschlagene Feindwurde selten verfolgt, meistens verweilte, nach alter Gewohnheit, derSieger 3 Tage auf dem Schlachtfelde.

Auf dem Marsche folgten die Truppen sich in tiefen Massen oderColonnen, das Fussvolk mit der Reiterei untermischt, Schützen vorn undzu den Seiten. Die Artillerie bildete eine besondere Colonne; die Be-deckung derselben, immer für sehr ehrenvoll erachtet, wurde den Lands-knechten oder dem Schweizer Fussvolke anvertraut. Gegen einen anCavallerie überlegenen Feind, wie z. B. gegen die Türken, marschiertedas Heer gewöhnlich unter dem Schutze einer auf 4 Seiten es umgebendenWagenburg, Artillerie vorn und hinten. Zu Ende des 16. Jahrhundertswurde eingeführt, dass beim Marsche die Musketire sich vor den Pike-niren befanden, und die schwere Cavallerie vor der leichten. Die Kara-biniers bildeten die Avantgarde, Arrieregarde und Seitenpatrouillen. Der