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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Kriegsorgatiisation und Kriegskunst überhaupt. 21

Tiefe dieser Formation wurde zu Anfang noch stärker, zu Ende aber des16. und Anfang des 17. Jahrhunderts verringerte sie sich wieder auf 10und 8 Glieder, im Nothfalle stellten die Bataillone sich sogar nur zu 5Gliedern Tiefe auf. Zu dieser Zeit kämpften die Pikenire überhaupt ingeschlossener, die Musketire aber in geöffneter oder aufgelöster Ordnung.Zum Eröffnen des Kampfes wurden Freiwillige (enfants perdus, Läufer)vorgerufen, bisweilen auch der 10. Mann durchs Loos bestimmt, unddiese fochten dann auch in aufgelöster Ordnung. Der Marquis Pescaravervollkommnete (in der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts) die Aktion ingeöffneter Aufstellung, indem er den spanischen Arkebusiren lehrte,wenn feindliche Cavalleric sie attakirte, sich in Knäuel zusammenzuzie-hen und den Reitern in die Flanke zu schiessen, was bei der Unbehülf-lichkeit der damaligen Cavallerie fast jedesmal von Erfolg begleitet war.

In der allgemeinen Schlachtordnung stand bis Mitte des 15. Jahr-hunderts die Reiterei gewöhnlich in 1 oder mehreren Linien vorn, dasFussvolk dahinter. Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts wurden öftersColonnen des Fussvolks mit denen der Reiterei untermischt, um sichgegenseitig zu unterstützen: zwischen der schweren Reiterei standen dieArkebusire, welche durch ihr Feuer den Feind erschüttern und der Caval-lerie dadurch dessen Besiegung erleichtern sollten, hinter allen Truppenaber stand in Reserve eine Abtheilung schwerer Reiterei, bisweilen auchFussvolk. Vom 16. Jahrhundert an wurde das Fussvolk gewöhnlich imCentrum, die Cavallerie auf die Flanken postirt, Ersteres bisweilen inmehreren Linien, die Reiterei auf einer Flanke oder auch hinter derselben,u. s. w. Das Heer überhaupt formirte sich zu dieser Zeit in eine Linieod^r in mehreren hintereinander, oder in Schachbrettform, oder endlichim Halbkreis mit vorgezogenen beiden Flügeln. Bei der Aufstellung derallgemeinen Schlachtordnung wurde darauf gesehen, dass das Terraineben und frei war, und Sonne und Wind hinter dem Rücken oder wenig-stens von der Seite stand.

Die Artillerie wurde zu 1 oder mehreren Batterien vereinigt und aufein oder mehreren wichtigsten Punkten der Schlachtlinie aufgefahren,die Zugpferde und Ochsen, welche sie fortgeschafft hatten, zur Wagen-burg zurückgeschickt. Daraus folgte dann, dass die Artillerie der Be-wegung der Truppen nicht folgen konnte, beim Angriff durch diese ihrFeuer einstellen musste und im Fall die Schlacht verloren ging, demSieger gänzlich in die Hände fiel. Nichtsdestoweniger nahm die Artilleriean den Schlachten immer mehr Antheil, und ihr Einfluss auf den Erfolgder Schlachten blieb in stetigem Wachsen.

Die Kampfart der Truppen war im 14. und zum Theil auch im15. Jahrhundert noch dieselbe wie zur Zeit des Feudalismus und desRitterthums. Aber mit der Einführung der Feuerwaffen bildete für jede