20 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
die Truppen der Niederländer nur unorganisirte und sclileclit bewaffneteHaufen. Die Cadres derselben gaben die Schützengilden, oder die städti-schen Compagnien. Aber das war nur eine unwesentliche Stütze, underst dann begannen die niederländischen Truppen eine bessere Organi-sation zu erhalten, als die in Deutschland angeworbenen deutschen Fuss-und Rciterschaarcn (Landsknechte und Reuter) zu ihnen traten. Baldwaren die Niederländer im Besitze eines auserlesenen Fussvolks, welchesbesonders durch den Prinzen Moritz von Oranien vervollkommnet wurde.Er gab Regeln für gleichmässigc Beschaffung von Musketen und Piken,vervollkommnete das Musketenschloss und beschleunigte dadurch dasSchiessen, führte den gleichen gemessenen Schritt und die Evolutionenein, von denen das Zusammenschliessen und Oeffnen, Verdoppeln u. s. w.die wichtigsten waren, und noch mehrere andere wesentliche Verbesser-ungen.
§. 102.Aufstellung, Bewegung und Kampfart der Truppen.
Die schwere Cavallerie formirte bis zum 16. Jahrhundert sich zumKampfe in einer langen Linie (en haye) oder in mehreren Linien hintereinander. Die leichte Reiterei fing seit dem 15., die schwere seitdem16. Jahrhundert an, sich zur Schlachtordnung in grossen zusammenge-schlossenen, fast quadratischen Massen oder Colonnen aufzustellen. ZurAttake formirten die Panzer oder Speerreuter sich zu 20 — 30 Mann in1 — 2 Gliedern. — die Arkebusire und Karabinire in tiefen geöffnetenHaufen zum Schiessen, — die Kuirassire in tiefen aber geschlossenenColonnen; die Dragoner sassen ab und kämpften wie das Fussvölk.Letzteres hatte bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts keine regelmässigeFormation, in der 2. Hälfte dieses Jahrhunderts formirte es sich gleichder Reiterei in tiefen geschlossenen fast quadratischen Massen oder Co-lonnen, welche batailies genannt wurden. Die Glieder der Pikenirewaren in den batailles mit Gliedern von Hellebardisten gemengt. EinTheil der Arkebusire.und später der Musketire stand in einem Gliedevor dem 1., und in einem Gliede hinter dem letzten Gliede der bataille,ausserdem auch auf den Flanken derselben. Alle übrigeu Arkebusireund Musketire formirten sich an den 4 Ecken der bataille in 4 grösserenColonnen zu 7 Mann in der Front und 37 Mann in der Tiefe. Das ersteGlied ging, sobald es seinen Schuss abgegeben hatte, durch die Interval-len hinter das letzte Glied zurück, wo es die Arkebusen oder Musketenvon Neuem lud, bis es wieder zum Schiessen an die Reihe kam. DieseForm der Aufstellung des Fussvolks erhielt sich sehr lange, trotzdem sieder Feuerwirkung der Geschütze und Gewehre sehr ausgesetzt war. Die