Kriegsorganisation und Kriegskunst überhaupt. 19
zum französischen Heer stets 6000 Mann schweizerisches Fussvolk ge-hörten) .
Die wichtigsten Veränderungen und Vervollkommnungen in der Or-ganisation des Fussvolks gingen jedoch im 16. Jahrhundert, besondersin der 2. Hälfte desselben vor sich. In dieser Zeit erlangte das Fussvolkdiejenige Bedeutung und Wichtigkeit, welche es zur hervorragendstenTruppengattung machten. Es wurde in Rotten (Fahnen, Fähnlein,bandes, compagnies) eingetheilt, 300—600 Mann stark, unter Capitaines,— und in Regimenter von grösserer oder geringerer Anzahl von Com-pagnien, unter Obersten. Bei Karl V. bestanden die Regimenter ge-wöhnlich aus 10 Rotten ä 4 — 500 Mann, von denen ein Theil mit Piken,ein anderer mit Feuerwaffen, der dritte mit Hellebarden, Wurfspiessen,Schlachtschwertern u. s. w. bewaffnet war. Die Rotten theilten sich inCorporalschaften (pelotons). In Frankreich hatten die bandes unterLudwig XII., Franz I. und Heinrich II. eine Stärke von 500 bis zu1000 und 2000 Mann. Franz L, welcher ein nationales Fussvolk zubilden beabsichtigte, errichtete 7 Provinziallegionen zu 6000 Mann, jedein 6 bandes ä 1000 Mann getheilt und wie die Schweizer mit Piken,Hellebarden und Feuerwaffen ausgerüstet. Diese Einrichtung erhielt sichjedoch nicht lange, wegen der Unordnungen, welche die Legionen sichzu Schulden kommen Hessen.
Um die Mitte des 16. Jahrhunderts verschwindet die Armbrust,welche sich am längsten in Frankreich und Spanien behauptet hatte,vollständig. Das Fussvolk war nur mit Piken, Hellebarden und Feuer-waffen ausgestattet. Mit Musketen wurde anfänglich nur ein Theil derInfanterie bewaffnet und jeder Compagnie eine Zahl von 10, 15, allmäh-lich noch mehr Musketiren beigegeben. Die Pikenire führten Piken von16—18 Fuss Länge.
In der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts war die Stärke der Rotten undRegimenter verschieden, im Grossen und Ganzen hielt sie sich zwischen150 und 300 Mann pro Compagnie und 2—500 Mann pro Regiment. EineVereinigung von 3 Regimentern wurde oft bat tag lia, bei den Spanierntercia genannt. Das Fussvolk bestand nur noch aus Pikeniren undMusketiren. Der Ersteren waren anfänglich mehr, als der Letzteren;aber als die Musketen leichter wurden, vermehrte sich die Zahl der Mus-ketire, und zu Anfang des 17. Jahrhunderts bestand das Fussvolk schonzu 2 /s aus solchen, und nur zu y 3 aus Pikeniren. Beide trugen übrigensleichte Helme und Panzer, die Pikenire waren statt dessen mitunter auchmit Hellebarden oder Schlachtschwertern bewaffnet.
Die wichtigste Vervollkommnung des Fussvolks in der 2. Hälfte des16. Jahrhunderts fand hauptsächlich in dem Kriege und bei den Truppender Niederlande statt. Zu Anfang des Krieges gegen die Spanier waren