Druckschrift 
Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
Entstehung
Seite
17
Einzelbild herunterladen
 

Kriegsorganisation und Kriegskunst überhaupt. 17

Die Ordonnanzcompagnien fanden nach Frankreichs Beispiel auchin andern Staaten Eingang. Die burgundischen galten für die besten.Da es nur wenig ständig - regulär organisirte Reiterei gab, so wurdeausserdem in verschiedenen Ländern, hauptsächlich in Deutschland,Mieths-Cavallerie angeworben.

Um Fusstruppen schnell von einem Ort zum andern schaffen zu kön-nen, bildete man bald auf Pferde gesetzte Infanterie, welche man Dra-goner nannte. Bewaffnung, Aufstellung und Kampfart dieser Dragonerwaren anfänglich die der Infanterie, in der Folgezeit aber wurden dieDragoner auch im Dienst zu Pferde ausgebildet.

In der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts schaffte man bei der Reitereidie Lanzen ab, nicht sowohl, weil sie hinderlich und unbequem waren,sondern weil es an Pferden fehlte, welche durch Grösse und Eigenschaf-ten zum Dienste bei der schweren Cavallerie geeignet waren. An Stelleder Piken führten Prinz Moritz von Oranien in den Niederlanden,und Heinrich IV. in Frankreich für die schwere Cavallerie die Pistoleund eine andere Art von Feuerwaffen ein und verwandelten sie in Kü-rassiere. In Deutschland brachte der Wegfall der Piken eine neue,mittlere Art von Cavallerie hervor, die deutschen Reuter (reitres),welche aus den vormaligen ritterlichen Dienern zu Pferde geworben undanfänglich für die Niederlande bestimmt waren.

§. 101.Pussvolk.

Im 14. und in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde dasFussvolk aus den Dorfbewohnern entnommen oder von den Städten auf-gebracht und befand sich ziemlich auf demselben Standpunkt, wie zurZeit des Feudalismus und des Ritterwesens. In besonders wichtigenFällen sassen die Ritter ab und fochten zu Fuss. Die sehr verschieden-artige Bewaffnung des Fussvolks bestand im Allgemeinen aus leichtemHelm und Panzer oder Panzerhemd (unter letzterem trug das Fussvolkmeist ein Leder-Collet, gefüttert mit dicker Leinwand in 2530 Schich-ten), aus Bogen oder Armbrust, mehr oder weniger langen Schwertern,Pike, Wurfspeeren, Axt und kleinen runden Schilden (rondaches).

Eine besondere und zwar die beste Art des Fussvolks bildeten dieBogen- und Armbrustschützen. Die englischen, venetianischen, undgenuesischen waren vorzugsweise berühmt wegen ihrer Kunst im Schie-ssen. In Frankreich bestimmte i. J. 1445 Karl VII., dass jede Gemeindeimmer einen Schützen bereit halten solle, der mit Bogen und Pfeilen aus-gerüstet sei. Diese Schützen waren verpflichtet, sich im Schiessen nach

Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte II. 2. 2