Druckschrift 
Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
Entstehung
Seite
13
Einzelbild herunterladen
 

Kriegsorganisation und Kriegskunst überhaupt. 13

bürg (11931280) und Roger Bacon, ein englischer Mönch (12141292) lenkten in ihren Werken die Aufmerksamkeit auf diesen Gegen-stand, ohne jedoch ihrerseits Neues dazu zu bringen. Etwas später ent-deckte der deutsche Mönch Berthold Schwarz (12901310) in Mainzbei seinen alchymistischen Versuchen zufällig die Zusammensetzung undWirkung des Pulvers, und wurde deshalb lange als der Erfinder desselbenund sogar des Gusses von Feuerrohren bezeichnet. Jedenfalls steht fest,dass das Pulver und die Anwendung desselben und der Feuerwaffenzu Kriegszwecken in West-Europa durch die spanischen Maurenim 2. Viertel des 14. Jahrhunderts bekannt wurde und zuerst in demKriege in Italien (i. J. 1326), dann in Frankreich (133842), in England(134447), in Deutschland zur selben Zeit, und endlich in ganz West-Europa im 3. Viertel des 14. Jahrhunderts vorkam, sodass im letztenViertel dieses Jahrhunderts die Feuerwaffen überall eingeführt waren.Anfänglich war das Pulver sowohl, wie die Feuer-Gewehre und Geschützehöchst unvollkommen, enorm kostspielig, und kamen nur bei Belagerungund Vertheidigung von Städten zur Verwendung, später dann auf See-Schiffen, zuletzt auch in Feldschlachten. Zu Ende des 14. Jahrhundertsbegann man schon ganze Geschütze aus Kupfer, Eisen und Bronce zugiessen. Diese Geschütze, ganz allgemein Bomb arden (Bombardae)genannt, waren ungeheuer gross, wurden mit einer enormen Pulverladungabgefeuert, und schleuderten erst Steine und steinerne, später eiserneund bleierne Kugeln (von 100, 250, 500, 1000 und noch mehr Pfund Ge-wicht). Sie ruhten auf hölzernen Klötzen oder Gestellen, welchen in derFolge zwei niedrige Räder hinzugefügt wurden. Um dieMitte des 15. Jahr-hunderts wurden in Italien Mortiere (Mörser) gebraucht, welche die Bombeim Bogen warfen. Im Felde fanden die Geschütze zum ersten Male An-wendung, wie es scheint, durch die Niederländer, 1382, in der Schlachtgegen die Franzosen bei Rosabek. Der Florentinische Historiker Villari(gestorben 1348) erwähnt, dass die Engländer in der Schlacht bei Crccy1346 Bombarden hatten, aus welchen sie die französische Cavallericmit eisernen Kugeln beschossen. Diese B o m b a r d e n aber konnten keineGeschütze sein, wahrscheinlich nur Hand-Feuerrohre, die ausserdem nochsehr unvollkommen waren. Diese Art von Wallen erscheint nach denunglücklichen Erfahrungen des Jahres 1364 bei Perugia (in Italien) zumersten Male in Augsburg 1382, und bei Venezianern und Genuesen. ZuAnfang des 15. Jahrhunderts findet sie sich in Europa schon recht ver-breitet unter der allgemeinen Benennung S c 1 o p e t u m, obgleich noch insehr unvollkommener Gestalt. Die Feuerwaffen überhaupt vervollkomm-neten sich sehr langsam bis zum Ende des 15. Jahrhunderts. Seit Beginnder Kriege in Italien und während des ganzen 16. Jahrhunderts, nament-lich in der 2. Hälfte, machten sie jedoch bedeutendere Fortschritte in