12 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
tische und staatliche Beziehungen gebildet hatten, gingen auch die wich-tigsten Verbesserungen in der Heeres-Organisation und Kriegskunst vorsich. Aus diesem Grunde bildet das 16. Jahrhundert die bemerkenswerthePeriode der ersten Anfänge der neueren Kriegskunst. In der ersten,besonders aber in der zweiten Hälfte desselben werden bereits in alleneuropäischen Staaten auf Staatskosten regelmässig organisirte stehendeVolks- oder fremdländische festbesoldete Mieths-Heere unterhalten. Auf-gebracht wurden diese Truppen auf Grund besondrer in jedem Eeichebestehenden Bestimmungen, hauptsächlich und überall durch Werbung.Organisation und Unterhalt der Truppen, sowie die militärische Disziplinderselben waren durch besondere Gesetze geregelt. Der Krieger-Berufblieb nicht mehr das ausschliessliche Vorrecht des Adels, das Volk bliebdemselben nicht länger fremd, aber der Adel drängte sich zu dem Staats-Kriegs-Dienst im stehenden Heere. Mehr und mehr wurde das Fussvolkdie wichtigste Waffengattung, die Reiterei trat an Bedeutung dagegenzurück und erhielt eine festere Organisation als früher. Nicht geringereFortschritte in jeder Hinsicht machte auch die Artillerie, welche seit die-ser Zeit neben Infanterie und Cavallerie in den festen Zusammenhangdes wohlorganisirten Heeres eintrat. Bewaffnung, Aufstellung, Kampfartder Truppen, Bau, Belagerung und Vertheidigung der Festungen, alleTheile der Kriegs-Verfassung, alle Zweige der Kriegskunst schrittenwesentlich vor und wurden vervollkommnet. Das Alles war nur der An-fang einer neuen Kriegskunst, aber ein sehr wichtiger im Vergleich zudem bisherigen Standpunkt der Kriegs - Organisation der Staaten undHeere, wie der Kriegskunst überhaupt.
§.99.
Einführung der Feuerwaffen der Artillerie.
In dem 1. und 2. Theile der Allgemeinen Kriegsgeschichte des Mit-telalters wurde schon bemerkt, dass verschiedene Arten von brennendenSubstanzen zu allererst'von den Chinesen gekannt und zu Kriegszwe-cken angewendet wurden, im 7. Jahrhundert n. Chr. zu den Arabern unddurch den Griechen Kallinikos zu den byzantinischen Griechen (unterdem Namen des griechischen Feuers) gelangten, und dass dieAraber sie im Kriege gebrauchten, bis zum Ende des 13. Jahrhundertsohne Salpeter, von da an mit Salpeter, d. h. also in Gestalt von Pulverund vermittelst der Feuerwaffen. Zur selben Zeit, im 13. Jahrhundertmachte das Werk des Marcus Graecus die Zusammensetzung desPulvers, der Raketen und Petarden dem westlichen Europa bekannt, undmehrere Gelehrte, besonders der Bischof Albertus Magnus von Regens-