Druckschrift 
Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
Entstehung
Seite
14
Einzelbild herunterladen
 

14 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

jeder Beziehung. Den Franzosen gebührt die Ehre, zuerst wesentlicheVerbesserungen der Artillerie vorgenommen zu haben. Sie erleichtertenund vervollkommneten die Geschütze und machten sie zum Gebrauch imFelde geeignet. Bei der Armee Karl's VIII. erscheint in dem italiänischenFeldzuge von 1494 zum ersten Male eine regelrecht organisirte Feld-Artillerie, welche sehr leicht war, den Bewegungen der Truppen mitLeichtigkeit folgen konnte, und deren Bedienungsmannschaft mit einerfür damalige Zeit unerhörten Geschwindigkeit das Feuer abgab. DemBeispiele Frankreichs folgten bald auch die übrigen Staaten. Die Ge-schütze wurden leichter gemacht, daneben aber blieben noch lange diefrüheren ungeheuren Dimensionen im Gebrauch. In Deutschland ver-dankte die Artillerie viel den Kaisern Maximilianl. und Karl V.Der Erstere führte eine bessere Art von Bohrung des Geschützes ein undgab ihnen erleichterte Laffeten, der Letztere aber fing an, auch in Frie-denszeiten schon eine gewisse Anzahl von Kanonieren zu unterhalten,führte nach dem Beispiel der Venetianer Artillerie - Schulen ein und gabder Artillerie diese gelehrte Richtung, welche die Ursache ihrer späterenVervollkommnung wurde. In der Mitte des 16. Jahrhunderts tauchen inDeutschland und Italien schon Theorien der Artillerie auf. Im Jahre 1540wurde in Nürnberg eine Artillerie-Schule eingerichtet, und von jener Zeitab wird auch der Guss der Geschütze bestimmten Gesetzen unterworfenund einigermassen gleichmässig betrieben. An Geschützen gab es inItalien, Spanien und Frankreich Kanonen, Bombarden und Falconets, inDeutschland aber nur Karthaunen oder Feld- und Mauerbrech-Geschütze,und Haufnitzen (Haubitzen), welche Steine, Brandgeschosse und biswei-len auch eine Art von Kartätschen schössen. Ausserdem gab es grosseund kleine Mörser.

Nach der Schlacht von Pavia gerieth die Feld-Artillerie in Frankreichin Verfall und wurde der Zahl nach verringert, so dass bei den Religions-Kriegen bisweilen nur 3 4 Geschütze auf jeder Seite waren. UnterSully aber wurde sie neuerdings vermehrt und verbessert.

In dem niederländischen Kriege wurde namentlich der laboratorischeZweig der Artillerie erheblich vervollkommnet, unter Anderm wurde stattder Ladeschaufel die Kartusche mit Ladung eingeführt. Die Geschützezerfielen jetzt in Schlangen, Kartaunen und Kanonen, und Geschützemit Kammer. Die Länge der Schlangen wie auch die Grösse der Pulver-ladung und des Geschosses nahm mit der Zeit ausserordentlich zu.

Die Artilleristen bildeten überall, namentlich in Deutschland, einebesondere Zunft und vermietheten sich gegen Bezahlung da, wo sie ver-langt wurden. Zu Ende des 16. Jahrhunderts theilte sich in Frankreichund einigen andern Staaten die Artillerie schon in Rotten (Compagnien),.welche ihre Capitäns und Offiziere hatten.