35. Kriege der Römer zur Zeit der inneren Unruhen (133—30 v. Chr.). 367
die Lebensmittel abschnitt, während er selbst deren hinter sich im Ueber-flnss hatte. Pompejus machte sich indessen in geschickter Weise das vonSchluchten durchschnittene Terrain zu Nutze, legte ein Truppencorpsin einen Hinterhalt, lockte des Mithridates Cavallerie in denselben undrieb sie fast gänzlich auf, den Mithridates solchergestalt ihrer wesent-lichen und erspriesslichen Mitwirkung und des einzigen Vortheils be-raubend, den er bis dahin durch sie über des Pompejus Heer gehabthatte. Nun ging seinerseits Pompejus mit Erfolg zum kleinen Kriege,durch die Cavallerie geführt, über und schnitt dem Mithridates dieLebensmittel ab, zuletzt ihn fast ganz mit geschlossenen Schanzen um-gebend, welche durch eine verschanzte Linie verbunden waren. Ganze45 Tage hielt Mithridates diese Einschliessung aus, endlich aber zwan-gen ihn Hunger und die Erkenntniss, dass die Verschanzungslinien desPompejus näher heranrückten, seine Rettung in der Flucht zu suchen,was ihm auch glückte. Es gelang ihm, in der Nacht durch Anzündenvieler Wachfeuer in seinem Lager Pompejus zu täuschen und die be-festigte Linie desselben zu durchbrechen. Am folgenden Morgen machtesich Pompejus schleunigst zu seiner Verfolgung auf; aber Mithridateshielt sich bei Tage immer in festen Lagern und machte Nachts foreirteMärsche, sodass des Tages Pompejus ihn nicht zum Kampfe im offenenFelde zu zwingen, Nachts aber ihn nicht anzugreifen vermochte, da erdes Terrains nicht kundig war. Nach f0 -Tagen endlich der VerfolgungMithridat's kam Pompejus , der erfahren hatte, dass er sich anschicke,den Euphrat zu überschreiten und nach Grossarmenien zu gehen, durcheinen heimlichen und angestrengten Tagmarsch ihm zuvor und stelltesich zur Nacht auf seinem Wege nahe beim Euphrat an einem für dieAction der römischen Armee günstigen Orte auf. Vollständig unerwartetund mit grosser Heftigkeit Nachts beim Mondschein im Marsch an-gegriffen , konnte des Mithridates Heer nicht aus der Marschordnung zurSchlachtordnung aufmarschiren und ward total geschlagen: über 10,000Mann lagen auf dem Kampfplatz, fast ebenso viele wurden gefangen ge-nommen, die Uebrigen zerstreuten sich. Mithridates schlug sich mit 800Reitern glücklich durch und floh zu den Grenzen Grossarmeniens, wo ernur noch mit vier Vertrauten ankam, die Anderen hatten sich ver-loren. Unterwegs brachte er indessen an 3000 Mann Fusstruppen undeinige Reiterei zusammen; als er aber hörte, dass Tigranes, der ihn imVerdacht hatte, seinen Sohn wider ihn zur Empörung aufgereizt zu haben,100 Talente auf seinen Kopf gesetzt habe, so beschloss er, das auf-zugeben, was er doch nicht länger zu vertheidigen im Stande war, undsich zu Lande in das bosporanische Königreich zu seinem Sohne Machareszu begeben. Demzufolge wandte er sich aus den Gegenden des oberenEuphrat über den Phasisfluss nach Dioskurias an dem Ostufer des Pontus