Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 3 (1875) Vom Beginn des zweiten punischen Krieges bis zum Anfang der Kriege Julius Cäsars in Gallien : (218 - 58 v. Chr.)
Entstehung
Seite
366
Einzelbild herunterladen
 

366 HL Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zu Augustus (32330 v. Chr.'.

lange Zeit dem Pompejus, diesem ebenso geschickten als glücklichenFeldherrn Widerstand leisten konnten, der mit unbeschränkter Machtbekleidet war und ein zahlreiches, ihm gänzlich ergebenes und gehor-sames Heer und eine starke Flotte besass. So nahm denn auch gleichnach Uebernahme des Oberbefehls durch Pompejus der Krieg eine ganzandere Wendung.

Des Pompejus erste Sorge war, seine starke Flotte zu verwerthenzur Abschneidung der Seeverbindungen des Mithridates und Tigranes.Zu dem Ende vertheilte er seine Flotte längs der Ktisten Kleinasiens vonPhönicien bis zum thracischen Bosporus. Dann gelang es ihm, denNachfolger des Sinathruces, den parthischen König Phraates III. (oderArsaceS'XII.) von dem Bündniss mit Mithridates abspenstig zu machen,und zu derselben Zeit erhob sich, zum besonderen Glück für Pompejus,der Sohn des Tigranes gegen seinen Vater, wodurch wiederum Mithri-dates der Mitwirkung des Tigranes beraubt wurde. Auf diese Weisestand Mithridates dem Pompejus allein gegenüber und konnte allenStreitkräften des Letzteren nur 30,000 Mann Fussvolk und 3000 Reiterentgegenstellen, mit welchen er sich an den Grenzen von Pontus auf-stellte, mit der Absicht, einen Kampf zu vermeiden und den Pompejusdurch Hunger in dem bereits verwüsteten Lande zu überwältigen. Pom-pejus verstärkte sich durch alle Truppen, welche dem Lucullus zur Ver-fügung gestanden hatten, selbst die früher Fimbrischen Legionen ein-geschlossen, welche aus freien Stücken unter seinen Befehlen verblieben,und brach dann rasch gegen Mithridates auf, den er inzwischen auf-gefordert hatte, sich persönlich zu ergeben und alle römischen Ueber-läufer auszuliefern*). Natürlich weigerte Mithridates sich dessen, undum die römischen Ueberläufer zu beruhigen, welche sich aus Furcht vorder Auslieferung an Pompejus empört hatten, sowie um seine (des Mi-thridates) eigene Truppen zu beschwichtigen, die mit jenen zugleichsich aufgelehnt hatten, schwor er, dass er niemals sie ausliefern, nochFrieden mit den Römern schliessen werde.

Bald erschien Pompejus und griff sogleich Mithridates an, zog sichaber, da er ihn nicht aus dem unzugänglichen Terrain zu vertreiben ver-mochte, in welchem er sich aufgestellt hatte, und da er eine Hungers-noth fürchtete, in das ihm gehörende und von Truppen nicht besetzteGrossarmenien zurück. Mithridates folgte ihm, bezog ihm gegenüber einfestes Lager auf einer zur Vertheidigung geeigneten Anhöhe und begannnun erfolgreich den kleinen Krieg zu führen, indem er dem Pompejus

*) Im ersten und besonders im zweiten Kriege Mithridat's gegen die Eömerbefanden sich in seinem Heere eine Menge römischer Deserteure, was unzweifelhaftden Grund dafür abgab, dass sein Heer mehr oder weniger nach römischem Musterorganisirt war.