Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 3 (1875) Vom Beginn des zweiten punischen Krieges bis zum Anfang der Kriege Julius Cäsars in Gallien : (218 - 58 v. Chr.)
Entstehung
Seite
345
Einzelbild herunterladen
 

35. Kriege der Römer zur Zeit der inneren Unruhen (13330 v. Chr.)- 345

struirten Flössen. Während dem war Crassus ihm gefolgt und schlossihn auf der rhegischen Halbinsel ein, indem er mit grosser Mühe, aberin verhältnissmässig kurzer Zeit die Landenge, welche die Halbinsel mitdem Festlande verbindet, durch eine hohe und starke Mauer mit einem15 Fuss tiefen und breiten Graben davor absperrte. Spartacus, mit derAusrüstung seiner Truppen beschäftigt, hatte Anfangs den Arbeiten desCrassus keine Aufmerksamkeit geschenkt. Als sie aber beendigt warenund in seinem Heere Mangel an Lebensmitteln und schliesslich Hungers-noth ausbrach, beschloss er, da er zur See sich nicht zu retten vermochte,die Verschanzungslinien des Crassus mit Gewalt zu durchbrechen. Seineersten Versuche misslangen, er ward mit grossem Verlust zurück-gewiesen. Endlich aber gelang es ihm, unter dem Schutze einer finsternstürmischen Nacht, in welcher ein schweres Unwetter mit Schneetreibenwüthete, mit Geschick und Erfolg einen Theil des Grabens mit Erde undFaschinen auszufüllen und,was noch weit erstaunlicher,mit seinemganzen Heere sowohl den Graben, als auch die Mauer zu überschreiten,ohne auch nur einen Mann zu verlieren (was, wenn es wirklich wahr ist,der Wachsamkeit der Truppen des Crassus gerade keine besondere Ehremacht). Auf diese Weise hatte er den nicht ungeschickten Plan desCrassus zerstört, und dieser, hierüber aufgebracht und ärgerlich, schlugdem Senate vor, sowohl den Varro Lucullus (Bruder desjenigen, dergegen Mithridates gefochten hatte), als den Pompejus, welche zu dieserZeit Beide zurückkamen, der Eine aus Thracien, der Andere aus Hi-spanien, gegen Spartacus heranzuziehen. Er selber griff inzwischen,eine abermalige Trennung der gallischen Sklaven von den thracischenunter Spartacus sich zu Nutze machend, die Ersteren an und würde siegänzlich aufgerieben haben, wenn Spartacus nicht ihnen zur Hülfe her-beigeeilt wäre. Durch diesen Erfolg ermuthigt und bereits wieder dieHerbeirufung des Lucullus und Pompejus bereuend, beschloss Crassus,noch vor ihrer Ankunft den Sklaven eine entscheidende Niederlage bei-zubringen und den Krieg mit ihnen zu beenden, was ihm auch vollkom-men und glänzend gelang. Da die gallischen Sklaven unter Anführung,ihrer beiden eigenen Heerführer stets von Spartacus getrennte Lager be-zogen, so Hess Crassus einen Theil seiner Streitkräfte gegen den Letz-teren stehen, stellte sie aber so auf, dass Spartacus sie für die Haupt-macht hielt; mit dem grössten Theil seines Heeres brach Crassus da-gegen heimlich gegen die gallischen Sklaven auf und schlug sie aufsHaupt, wobei sie (nach Titus Livius) 35,000 Mann 'auf der WahlstattMessen. Spartacus trat sogleich seinen Rückzug nach Apulien an. Alser aber bemerkte, dass Legat und Quästor des Crassus ihn ohne die ge-hörige Vorsicht und in Unordnung verfolgten, wandte er sich plötzlichzurück und zwang sie in einem glücklichen Gefecht zu einer schimpf-