344 HI. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
der auserlesensten und tapfersten römischen Gefangenen, zu Ehren desgefallenen Crixus einen Gladiatorenkampf auszuführen und Hess alleübrigen Gefangenen über die Klinge springen. Um seinen weiterenMarsch zu erleichtern, liess er alle zum Dienste untauglichen Lastthieretödten und alle unnöthige dem Feinde abgenommene Bagage vernichten,und wandte sich nun, bereits 120,000 Mann stark, nicht nach den Alpen,sondern nach Rom. Gellius und Lentulus rückten mit allen im Piceni-schen irgend aufzubringenden Truppen ihm entgegen und scheinen ihnaufgehalten zu haben; er aber rächte sich dafür, indem er den ProconsulCassius und den Prätor Manlius besiegte und in die Flucht jagte.
Die Ursachen dieser häufigen und wichtigen Erfolge der Sklavenund Misserfolge der Römer waren: auf der einen Seite der Muth unddie Tapferkeit der Sklaven, sowie die Geschicklichkeit des Spartacus.auf der anderen Seite die Sittenverderbniss der römischen Heere, die inihnen herrschende gänzliche Lockerung der Subordination und Ord-nung, und namentlich die Untüchtigkeit ihrer Anführer. Deshalb über-trug denn auch im Jahre 71 der Senat die Führung des Krieges gegendie Sklaven dem Crassus, der schon unter Sulla's Oberbefehl in ItalienProben seiner Geschicklichkeit abgelegt hatte, dann Prätor geworden,und der einzige fähige Feldherr in Italien war, auf den man sich ver-lassen konnte.
§. 239.
Der Krieg im Jahre 71.
Thaten des Crassus und Spartacus in Süditalien. Operationen aufder rhegischen Halbinsel. Schlacht am Flusse Silarus.
Crassus rechtfertigte vollkommen das in ihn gesetzte Vertrauen. InPicenum angelangt, stellte er in der römischen Armee strenge Disciplinher, setzte sich bei den Soldaten in Furcht und Respect, flösste ihneneinen neuen Geist ein, beobachtete dabei zugleich die äusserste Vorsichtund war darauf bedacht, einem allgemeinen Kampfe ausweichend, denS])artacus nur von Rom abzuhalten. Kurz darauf zersprengte er einCorps von 10.000 Sklaven, von denen über 6000 auf dem Platze blieben,erfocht darnach einen theilweisen Erfolg über Spartacus selber undzwang ihn nach Lucanien zurückzuweichen. Von hier zog Spartacus indas südliche Bruttium, in der Absicht, sich Sicilien zu nähern, einenTheil seiner Truppen dorthin überzuschiffen und dort ebenfalls einenSklavenkrieg (zum vierten Male) zu entfachen. Er erreichte Rhegium.konnte aber seine Truppen nicht nach Sicilien übersetzen, weder auf denSchiffen der Seeräuber, welche ihn im Stich Hessen, noch auf selbst con-