Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 3 (1875) Vom Beginn des zweiten punischen Krieges bis zum Anfang der Kriege Julius Cäsars in Gallien : (218 - 58 v. Chr.)
Entstehung
Seite
343
Einzelbild herunterladen
 

35. Kriege der Römer zur Zeit der inneren Unruhen (13330 v. Chr.). 343

Seiten Spartacus' überall die abscheulichsten Grausamkeiten. Nun sahsich der Senat genöthigt, eine ganze Armee unter des Varinius Com-mando gegen Spartacus zu entsenden. Allein gleich nach Ankunft desVarinius wurde einer seiner Unterfeldherren, Furius, mit einem Corpsvon "2000 Mann getrennt durch Spartacus geschlagen, der andere, Cos-sinius, in Lucanien unerwartet angegriffen, getödtet, sein Truppencorpsbesiegt und das Lager erobert. Varinius selber umzingelte bald darnachden Spartacus in einem Gebirgspässe; es gelang indessen dem Spartacus,bei Nacht zu entkommen und demnächst den Varinius mehrmals zu be-siegen. Aber weder seine erfochtenen Erfolge, noch die Stärke seinesHeeres, das bis zu Ende des Jahres sich bereits auf -10,000 Mann belief,schläferten ihn ein, und er zeigte bemerkenswerthe Mässigung und In-telligenz. Ueberzeugt von der Unmöglichkeit, die Kömer zu überwinden,wie von seinem eigenen früheren oder späteren Untergang, beabsichtigteer nur, zu den Alpen zu ziehen, damit nach dem Uebergange über die-selben die Gallier und Thracier, aus denen sein Heer vorzugsweise zu-sammengesetzt war, sich ungehindert ihrer Heimath zuwenden könnten. -Sein Heer aber, auf seine Anzahl und Erfolge pochend und nach Plün-derung und Beute dürstend, verwarf seinen weisen Vorschlag und zog esunbedachtsamer Weise vor, Italien auszuplündern.

Auf diese Weise kam es, dass zur selben Zeit, als Pompejus dieUeberreste der Marianischen Partei in Hispanien vernichtete und Lucullusin Asien über Mithridates triumphirte 's. weiter unten) durch die auf-ständischen Sklaven (deren Zahl im Jahre 72 auf 70,000 Mann ange-wachsen war) in Italien selbst, fast unter den Mauern Roms sogar,diesem die grösste Gefahr drohte. Unter diesen dringenden Umständenstellte der Senat drei Armeen auf, unter dem Befehl der Consuln GelliusPublicola und Cornelius Lentulus und des Prätors Arrius. Von den Ope-rationen dieser so bedeutenden Macht konnte und musste man um sogrössere Erfolge erwarten, als in des Spartacus Heere zu dieser ZeitUneinigkeit, und in Folge dessen eine Trennung der Kräfte eingetretenwar. Crixus war mit seinen gallischen Landsleuten nach Apulien ge-zogen, das er zu verwüsten begann, Spartacus ging mit den Thraciemüber die Apenninen nach Norden, um die Alpen zu erreichen. Gelliusund Arrius besiegten den Crixus in Apulien derartig, dass von seinen30,000 Mann etwa 20,000 umkamen, Crixus selbst darunter. Dafür aberstiess Spartacus auf seinem Wege auf die Armee des ebenso unklugkühnen als unfähigen Lentulus, schlug und zersprengte sie, wandte sichdann gegen die aus Apulien, in der Absicht, ihn zwischen drei römischeArmeen zu bringen, heranziehenden Gellius und Arrius, und besiegteauch sie in offener Feldschlacht (wie es scheint in Umbrien). Nachdiesem Siege zwang er, Demüthigung durch Demüthigung rächend, 300