342 III- Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
Seit der Zeit, dass die Kömer ihre Eroberungen und ihre Machtausserhalb der Grenzen Italiens erweitert hatten, war die Zahl ihrerSklaven in Italien und Sicilien, welche aus den Kriegsgefangenen, undzwar grösstentheils der kriegerischen Völker: Gallier, Germanen undThracier bestanden, allmälig angewachsen und endlich eine unglaublichgrosse geworden. Aber die Lage dieser Menschenklasse hatte sich trotzihrer furchtbaren, zu drei verschiedenen Malen in Sicilien ausgebroche-nen Aufstände nicht allein nicht erleichtert und verbessert, sondern wareine mehr und mehr drückende und unerträgliche geworden. Endlichgab im Jahre 73 ein anfänglich unbedeutender Umstand den Anlass zueiner allgemeinen Empörung der Sklaven in Italien. Aus der Zahl der-jenigen von ihnen, welche sich in Capua in einer Gladiatorenschule be-fanden, verabredeten sich 200 zur Flucht, ihre Absicht aber wurde ent-deckt und nur 78 gelang es, zu entkommen und sich auszurüsten, allerdingsnur mit Beinschienen. Kaum waren sie aus Capua heraus, so stiessensie aufein Fuhrwerk, das mit Gladiatorenwaffen beladen war. Sie bemächtigtensich derselben und setzten sich in einer unzugänglichen Oertlichkeit fest,schlugen darauf die ihnen nachgesandten Capuaner, bewaffneten sichmit den diesen abgenommenen Waffen und verschanzten sich auf demVesuv. Dieser erste Erfolg vermehrte ihre Zahl um ein Bedeutendes,und nun erwählten sie drei Anführer: Spartacus, Crixus und Oenomaus.Von diesen war Spartacus, ein geborener Thracier, durch seine aus-gezeichneten Gaben den Anderen überlegen, er hatte zuerst seine Ka-meraden zur Flucht bewogen und wurde nun bald ihr Hauptanführer unddie Seele des Aufstandes. Um denselben gleich im Beginn zu ersticken,schickte der Senat den Prätor Claudius Pulcher mit 3000 Mann gegendie aufrührerischen Sklaven. Claudius besetzte am Fusse des Vesuv dieHauptzugänge zu dessen Gipfel und war überzeugt, dass er durch dieEinschliessung der Sklaven auf dem Berge sie zwingen werde, sich zuergeben. Sie aber machten Leitern aus Weinreben und Hessen sich anderjenigen Seite des Vesuv herunter, welche Claudius ihrer Unersteig-barkeit wegen unbesetzt gelassen hatte. Damit aber noch nicht zufrieden,führte Spartacus sofort einen unvermutheten Angriff auf des ClaudiusTruppen aus, zerstreute sie und eroberte ihr Lager. Dieser erste Siegüber römische Truppen führte dem Spartacus eine Menge italischerSklaven zu, und bald war ihre Zahl auf 10,000 Mann angewachsen. DesSpartacus erste Sorge war nun, sie angemessen zu bewaffnen, und binnenKurzem hatte er durch aussergewöhnliche Thätigkeit die erforderlicheAnzahl von Schilden, Schwertern und anderen Waffen angefertigt undsich sogar einiger Stutereien bemächtigt, um Reiterei formiren zu können.Dann plünderte und zerstörte das Heer des Spartacus die Ansiedelungenund viele Städte Campaniens und vollführte, trotz des Verbotes von