Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 3 (1875) Vom Beginn des zweiten punischen Krieges bis zum Anfang der Kriege Julius Cäsars in Gallien : (218 - 58 v. Chr.)
Entstehung
Seite
314
Einzelbild herunterladen
 

314 III. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (32330 v. Chr.).

wände, dass Aquilius nicht das Recht gehabt habe, es an Mithridates V.abzutreten. Dieser gewaltthätige und ungerechte Schritt erzeugte in derbereits verbitterten Seele des jungen Mithridates den stärksten Hassgegen Rom, der von diesem Augenblick an seine herrschende Leiden-schaft wurde, wie die Vertreibung der Römer aus Asien die Hauptauf-gabe seines ganzen Lebens. Diesem Ziele begann er schon zuzustreben,sobald er seine Volljährigkeit erreicht hatte, und zwar mit bewunderns-würdiger Beharrlichkeit, Energie und Geschicklichkeit. Er fing damitan, dass er den taurischen Chersones (h. Krim) und die scythischen, anden Nordufern des Mäotischen (Asowschen) Meeres und des Pontus Eu-xinus wohnenden Stämme unterwarf (112110), Verbindungen mit denSarmaten und sogar mit den benachbarten germanischen Stämmen an-knüpfte, und auf diese Weise schon bei Zeiten zahlreiche und furchtbareFeinde gegen Rom aufwiegelte, auch den Plan fasste, seiner Zeit vonNorden her in Italien einzufallen. Ausserdem hatten diese ersten Kriegeauch noch den Nutzen für ihn, dass er darin eine praktische Schule desKrieges durchmachte, seinen Körper noch mehr stärkte und kräftigte,seine Truppen aber zum Kriege anlernte, an Ertragung von Kriegs-strapazen gewöhnte, und dass sie die erforderliche Kriegserfahrung ge-wannen. Darauf bereiste er zwei Jahre lang (110108) Kleinasien, umpersönlich, an Ort und Stelle und aus erster Hand dessen Zustand undStimmung kennen zu lernen und sich Anhänger zu gewinnen, Rom aberFeinde zu schaffen. Von dieser Reise zurückgekehrt, ging er an die all-mälige Ausführung seiner Pläne, theilte sich mit Nikomedes IL, Königvon Bithynien, in Paphlagonien und bemächtigte sich, ohne auf die RömerRücksicht zu nehmen, Galatiens und Kappadociens. Seine fortgesetztenStreitigkeiten aber mit Nikomedes um die letztere von diesen beiden Pro-vinzen bewogen endlich die Römer, Kappadocien und Paphlagonien fürfrei zu erklären und auf dem kappadocischen Throne den von den Ein-wohnern gewählten König Ariobarzanes zu bestätigen (9392). Nunverstärkte sich Mithridates durch ein Bündniss mit Tigranes, dem Königvon Armenien, und während dieser den Ariobarzanes verjagte, vertriebSokrates, der. jüngste Sohn des gestorbenen Nikomedes IL, mit Mithri-dates' Hülfe seinen älteren Bruder, der unter dem Namen Nikomedes III.den Thron von Bithynien bestiegen hatte.. Die Römer unterstützten so-wohl den Ariobarzanes wie den Nikomedes (90), und dieser Letztere fiel,auf die Bitten der in Kleinasien befindlichen römischen Statthalter, indes Mithridates Gebiet ein und verheerte einen erheblichen Theil des-selben.

Bisher hatte Mithridates nur die Herrscher Kleinasiens, und zwarin entschiedenster Weise und ohne bezüglich der Mittel sehr wählerischzu sein, bekämpft, einen unmittelbaren Zusammenstoss und offenen Bruch