33. Kriege der Römer zur Zeit der inneren Unruhen 133—30 v. Chr.). 293
dem Kriege ein Ende zu machen, folgte Metellus dem Jugurtha dorthin,obgleich er zu dem Ende lange durch eine unfruchtbare wasserlose Ebenemarschiren und das nothwendige Wasser in Schläuchen mit sich führenmusste. Seine plötzliche unerwartete Erscheinung vor Thala setzte Ju-gurtha und die Bewohner der Stadt in das höchste Staunen und Schrecken,und da der Erstere einsah, dass Nichts im Stande sei Metellus aufzu-halten , so floh er Nachts mit seinen Kindern und einem grossen Theileseiner Schätze in die Wüste zu den Gätulern, einem wilden Volke, dasbis dahin weder die römischen Waffen erprobt, noch deu römischen Namenkennen gelernt hatte. Thala, durch Natur und Kunst ausserordentlichstark, ward von Metellus belagert und nach vierzigtägiger mühsamer Be-lagerung und tapferer hartnäckiger Gegenwehr genommen. Die reicheBeute, welche die Römer dort zu finden gehofft hatten, war ihnen ent-gangen ; die römischen Ueberläufer verbrannten sich selbst in der Königs-burg mit den Besten der Schätze Jugurtha's nebst Allem, was an Kost-barkeiten in der Stadt war.
Inzwischen hatte Jugurtha bei den Gätulern ein Heer zusammenge-bracht, das einigermassen regelmässig zu organisiren und in militärischeDisciplin und Ordnung zu bringen ihm, wenn auch mit grosser Mühe,gelang. Zur selben Zeit bewog er auch seinen Schwiegervater, denKönig Bocchus von Mauretanien, zum Bündniss mit ihm und zum Kriegegegen die Römer. Nach Vereinigung ihrer Heere brachen Jugurtha undBocchus nach Cirta auf, wo Metellus nach der Zerstörung von Thala seineBeute zusammengehäuft und die Gefangenen nebst dem Heerestross zu-rückgelassen hatte. Durch den Marsch nach Cirta beabsichtigte Jugurtha,entweder diese Stadt zu nehmen oder Metellus zum Kampfe bei derselbenzu zwingen, in jedem Fall aber den Bocchus den Römern gegenüber ineine solche Lage zu bringen, dass derselbe unmöglich sich wieder von Ju-gurtha lossagen und mit den Römern Frieden schliessen könne. Metelluseilte in der That Cirta zu Hülfe, wich aber einem Kampfe aus, indem ersiehin einem stark verschanzten Lager hielt und zunächst in gehöriger Weisedie Kräfte und Eigenschaften der Truppen des Bocchus und Jugurtha zuerforschen beabsichtigte. Bald indessen erfuhr er, dass Marius zum Con-sul gewählt und an seine Stelle zu treten bestimmt sei, und der tiefeKummer, den ihm der Gedanke verursachte, dass der Plebejer Marius.sein persönlicher Feind, die Früchte seiner Siege ernten solle, bewog ihn,seine Absichten und sein Verhalten vollständig zu ändern. Er trat sofortmit Bocchus in Unterhandlungen ein, indem er sich bemühte, ihn zur Be-endigung des Krieges zu bewegen, der doch nur äusserst ungünstig fürihn ausfallen könne, und den Jugurtha seinem selbstverschuldeten un-glücklichen Schicksal zu überlassen. Dabei hatte er nur die Absicht.Zeit zu gewinnen, Bocchus und Jugurtha in Unthätigkeit zu versetzen