290 HI. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
mals zu den Waffen zu greifen, er sammelte ein zahlreiches Heer undlegte es am Ufer des Flusses Muthul an einem Wege, den Metellus vor-überziehen musste, in Hinterhalt. In dem sich nun entspinnenden Kampfehatte Jugurtha die Vortheile des unvermutheten Ueberfalls und des hierzuund für die Action seiner Cavallerie günstigen Terrains auf seiner Seite, Me-tellus dagegen auf der seinigen die vorzügliche Ausbildung und den treff-lichen Geist und die Tapferkeit seiner Truppen, und dies entschied end-lich den Sieg zu seinen Gunsten, Zur gleichen Zeit wurde auch Kutilius,den Metellus mit einem Heerhaufen zur Absteckung des Lagers voraus-geschickt hatte, von Bomilkar mit einem Theil der Truppen Jugurtha'sangegriffen, schlug ihn aber glücklich zurück. Jugurtha's Heer zerstreutesich, Jugurtha selbst floh mit einer kleinen Schaar von seiner Leibwachein einen mit fast undurchdringlichen Waldungen bedeckten Theil seinesLandes und begann dort ein neues, noch stärkeres Heer zu sammeln, dasaber zum grössten Theil aus ungeübten und im Kriegswesen unerfahrenenBauern bestand. Metellus hatte durch Spione hiervon erfahren und er-kannte, dass ihm bevorstand, einen ungünstigen Krieg zu führen, inwelchem der Feind die Kenntniss des Terrains und alle Vortheile des-selben voraus hatte und, selbst besiegt, weniger Leute einbüssen würdeals der Sieger; er beschloss daher seine Methode zu ändern und sich nichtmehr in einen Kampf einzulassen. In die reichsten Provinzen Numidienseinrückend, verwüstete er diese mit Feuer und Schwert, eroberte undverbrannte eine Menge schlecht befestigter oder nicht mit Truppen be-setzter Städte und Burgen, machte Alles nieder, was die Waffen zu tragenund zu fechten im Stande war, und überliess das Land seinen Truppenzur Plünderung. Dieser grausame Vernichtungskrieg hatte zur Folge,dass dem Metellus von überall her Geiseln gestellt, Lebensmittel undKriegsvorräthe geliefert wurden und die meisten Städte römische Be-satzungen erhielten.
Jugurtha, hierüber noch mehr erschrocken als durch seine früherenNiederlagen, Hess dennoch den Muth nicht sinken und griff aufs Neue zuseinen gewöhnlichen Listen. In seinem Lager den grössten Theil seinesHeeres stehen lassend, brach er mit auserlesener Beiterei in nächtlichenGewaltmärschen zur Verfolgung des Metellus auf den nächstliegendenWegen auf, passte die Zeit ab, da die römischen Truppen in der An-nahme, dass er weit entfernt sei, sich zum Futterholen zerstreut hatten,überfiel sie plötzlich mit Ungestüm, machte eine grosse Zahl nieder, einenTheil zu Gefangenen, und zog sich -dann rasch auf eine benachbarte An-höhe zurück, noch ehe aus dem Lager der Römer ihren Fourageurs aus-reichende Hülfe hatte gebracht werden können. Dies bewog den Me-tellus zu verdoppelter Vorsicht beim Fouragiren, indem er die Futter-holenden durch eine starke Abtheilung Fussvolk und die gesammte