284 III. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
Pferde. Sonst aber lag das Kriegswesen bei ihnen noch sehr im Argenund befand sich auf der rohesten Stufe.
§• 214.Die Parther.
Die Parther, ein Volk scythischer Abstammung, bewohnten in Hoch-oder Mittelasien ein Land, das südlich von Hyrkanien und östlich vonMedien lag, bedeckt mit kahlen Bergen und sandigen Steppen, unfrucht-bar, kalt in den gebirgigen, glühend in den niedriger gelegenen Theilen,das daher besonders geeignet war zur Entwickelung kräftiger Körper,rauher Sitten und tapferer Krieger. Bis zu Alexander's des Grossen Zeitwaren die Parther unter persischer Hoheit, nach seinem Tode unter jenerder syrischen Könige. Im Jahre 256 v. Chr. den Fall des griechisch-baktrischen Reiches und die inneren Gährungen im syrischen benutzend,bildeten sie ein unabhängiges parthisches Königreich, dessen Gründerund zugleich Ahnherr der königlichen Dynastie der Arsaciden derKönig Arsaces I. war. In den darauf folgenden 100 Jahren erweiter-ten die kriegerischen und ehrsüchtigen Arsaciden die Grenzen des par-thischen Reiches bis zum Indus nach Osten und bis zum Euphrat nachWesten. Hier kamen sie nach dem Untergang des Reiches Mithridates'des Grossen mit den Römern in Berührung und bald auch zu einemZusammenstosse, und ähnlich wie die Germanen im Norden in Europa,so im Osten in Asien setzten sie ungefähr 300 Jahre lang (vom Jahre 54v. Chr. bis 226 n. Chr.) den römischen Eroberungen eine unüberwind-liche Schranke entgegen, schlössen von Osten her die römischen Grenzenenge ein und brachten in den Kriegen mit den Römern ihnen mehr alseinmal schwere Niederlagen bei, bis sie endlich den Persern ihren Platzabtraten.
Nach der Angabe des Trogus Pompejus und anderer römischer undgriechischer Schriftsteller waren zur Zeit ihrer Kriege mit den Römerndie Parther, ein verschlagenes, grausames, mehr listiges und unverschäm-tes als tapferes Volk, dabei von unruhiger Thätigkeit, unaufhörlich An-lass zu äusseren oder inneren Kriegen suchend, dem Luxus und Wohl-leben ergeben, von Sittenverderbniss ergriffen. Ihre Regierungsform wardie monarchisch-aristokratische: die Macht der Könige, welche aus-schliesslich aus dem Geschlecht der Arsaciden gewählt wurden, wardurch einen obersten Staatsrath beschränkt, die Surena, aus den Feld-herren und der höchsten Aristokratie gebildet. Die königlichen Residen-zen waren: im Sommer Ekbatana, im Winter Ktesiphon. Zu Pferdezu dienen war das ehrenvollste Vorrecht und die Auszeichnung desStandes der Adligen und Freien. Die Zahl der Sklaven war eine unge-