32. Die Germanen, Gallier, Helvetier, Britannier und Parther. 285
heuere und vermehrte sich unaufhörlich (weil ihre Herren nicht das Rechthatten, sie frei zu geben), deshalb waren auch die parthischen Heerevorzugsweise aus Sklaven zusammengesetzt, welche eine vorzüglicheleichte Reiterei bildeten. Gewöhnlich führten die Könige selbst ihre Ar-meen, sonst auch ihre Brüder, Söhne oder nächsten Anverwandten,denen in solchem Falle stets einer der erprobtesten und besten Feld-herren als Berather und Helfer zur Seite stand. Die Bewaffnung derParther und ihre Art zu kämpfen, war im Allgemeinen dieselbe, wie sievon jeher bei den Scythen gewesen war. Vorzugsweise mit Wurf-geschossen ausgerüstet, mit Bogen und Speer, waren die Parther be-rühmt als ungewöhnlich gewandte, geschickte, sicher und kräftig treffendeSchützen, namentlich auch wegen ihres sicheren Bogenschusses vomPferde herab nach hinten und vorn und im vollsten Laufe. Daher er-wiesen sie sich auch gleich furchtbar im Zurückweichen, wie beim An-griff und bei der Verfolgung. Sie hatten übrigens auch Fussvolk undschwere Reiterei, deren Reiter (vielleicht nach dem Beispiel der frühe-ren Nachbarn und Beherrscher der Parther, der Perser) von Kopf zuFuss mit Panzer bedeckt waren. Im Felde, wenn der Feind zum An-griff vorging, zogen sie sich zerstreut fechtend zurück, mit den Bogenihn heftig beschiessend und bald in Front, bald in Flanke oder Rückenihn hier und da mit vereinzelten Haufen tollkühner Reiter angreifend,welche von stärkeren Abtheilungen unterstützt wurden. Wenn sie aufdiese Weise den Feind ermüdet und geschwächt hatten, machten sieeinen allgemeinen entscheidenden Gesammtangriff von mehreren. Seiten.Ging der Feind zurück, so verfolgten sie ihn rasch und heftig, wobei sieübrigens ganz so verfuhren wie beim Angriff. Durch diese Kampfweise,welche seit undenklichen Zeiten den Scythen eignete, besiegten und ver-nichteten die Parther die Armee des Crassus bei Carrhä in Mesopotamien(53), zwangen die Armee des Antonius (im Jahre 36) mit ungeheueremVerluste aus Medien zurückzugehen, und machten in der Folge alleAnstrengungen der Römer zur Erweiterung der Grenzen des römischenReiches nach Osten hin zu Schanden. Bei dieser Art zu kämpfen und beider Zusammensetzung der parthischen Armeen aus fast lauter Reiterei,war es sehr natürlich, dass die Parther sich stets in Ebenen schlugen,den Kampf in durchschnittenem Terrain sorgfältig vermieden und sichbemühten, den Feind in ebenes offenes Terrain' zu locken. Ein all-gemeiner stehender Zug der Actionen der Parther im Felde und im Ge-fecht war das Bemühen, den Gegner durch numerische Uebermacht zuerdrücken, da aber, wo die Gewalt allein nicht ausreichte, zu Kriegslistenzu greifen.