32. Die Germanen, Gallier, Helvetier, Britannier und Parther. 281
tigen Bau und Körper stärke, durch die Fähigkeit, Kälte zu ertragen,durch Freimuth und ungewöhnliche Tapferkeit aus. Aber in einem kal-ten feuchten Lande geboren, konnten sie, gleich den Germanen, keineHitze ertragen, sondern ermatteten, durch dieselbe erschöpft, an Leibund Seele. Keine Gefahr fürchtend, scheuten sie doch Mühen und Be-schwerden, besassen nicht die zur Ertragung derselben erforderlicheAusdauer und Geduld, waren leichtsinnig und unbeständig und zeigtenim Glück Kühnheit und unbesonnene Verwegenheit, im Unglück aberwurden sie muthlos und Uberliessen sich der Verzweiflung. Ungemeineitel, trugen sie gern kostbare Kleider und Schmuck, waren von Leiden-schaft zu Geld und Gold besessen, äusserst abergläubisch und erbittert,wild und grausam im Kriege und selbst im Frieden.
Ihre allgemeine Organisation lässt sich in Folgendem zeichnen:Der unterste Stand oder das gemeine Volk befand sich fast inSklaverei und wurde für Nichts gerechnet. Die ganze Macht, das ganzeAnsehen, alle Rechte und Vorrechte, alle Ehren und Auszeichnungen ge-hörten den beiden oberen Ständen, —den Druiden oder Priestern, undden Rittern, wie sie Cäsar nennt, weil sie nicht anders als zu Pferdekämpften. Die Druiden entschieden bei Zank und Streit private wieallgemeine Rechtshändel und Criminalfälle, über Krieg und Friedenzwischen den Stämmen u. s. w. Deshalb hatten sie auch grossen Ein-fluss auf die öffentlichen Angelegenheiten und die Regierung und standenin hohem Ansehen. Zum Stande der Ritter gehörten alle edelgeborenenund vornehmen Gallier (der heutige Adel). Ihre ehrenvollste und Haupt-beschäftigung war der Krieg, dem sie ununterbrochen oblagen. Auchdie Jagd gehörte zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. Ihnen lag die bür-gerliche Verwaltung ob und aus ihrer Mitte wurden jährlich sowohl dieStaatsregenten, als die obersten KriegsanfUhrer gewählt. Jeder Stammhatte seine besondere Regierung, seine besonderen Regenten und An-führer; alle zusammen aber bildetensie ein Volk, dessen allgemeineund öffentliche Angelegenheiten in öffentlichen Volksversammlungen ent-schieden wurden. Es muss indessen bemerkt werden, dass bis zu undauch noch während der Zeit des Krieges mit Cäsar die Gallier überhauptbeständig in zwei sich gegenüberstehende und einander feindliche poli-tische Parteien getheilt waren, an deren Spitze auf der einen Seite dieAeduer oder Haeduer, welche den verbündeten Römern treu anhingen,auf der anderen Seite bald die Arverner, bald die Sequaner, und zurZeit des Krieges mit Cäsar die Remi standen. Genau ebenso war jederStamm und jede Gemeinde getheilt. Cäsar suchte diese Trennung sorg-fältig aufrecht zu halten und nutzte sie in sehr geschickter Weise aus.Das Heerwesen der Gallier stellte sich in folgender Form dar:In gewöhnlichen Fällen zogen die vornehmsten Reiter mit ihren