278 HI. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
kraftlos und ermatteten an Leib und Seele gleich Weibern und Kindern,nach den Worten -der römischen Schriftsteller. Waren sie in ihr Lagerzurückgeworfen, so setzten sie sich in demselben mit ausserordentlicherHartnäckigkeit, Erbitterung, ja Wuth zur Wehre, mit Spiessen, Schwer-tern und Aexten hinter den Wagen und von denselben herab sich ver-theidigend. Die Weiber halfen in der Schlacht den Männern, indem sieihnen Waffen darreichten und austauschten, die Verwundeten und Er-schlagenen forttrugen u. s. w.; bei dem Angriff des Feindes auf dasLager nahmen sie d n thätigsten Antheil am Kampfe und erwiesen sichnicht weniger tapfer und ausdauernd und von gleicher Wuth beseelt, wiedie Männer.
Cäsar giebt in seinen Commentaren oder Beschreibungen des galli-schen Krieges nur sehr wenige Nachrichten über die Germanen. Ausdenselben ist nur ersichtlich, dass die Germanen ein mannhaftes, kriege-risches, tapferes, auf seine Unabhängigkeit stolzes und dieselbe leiden-schaftlich liebendes , aber auch ungewöhnlich eitles Volk waren. Derzahlreichste, mächtigste und kriegerischste Stamm der Germanen waren,nach Cäsar, die Sueven, oder ein Bund von 1Ü0 Stämmen unter demgemeinschaftlichen Namen Sueven. Jeder dieser verbündeten Stämmesandte jährlich 1000 Krieger zum Kampfe aus. Der Fürst der Sueven,Ariovist, erklärte in den Unterredungen mit Cäsar, dass die Germa-nen ein selten unter Dach und Fach lebendes Volk seien,welches seine ganze Zeit mit Krieg hin bringe, an die Füh-rung der Waffen gewöhnt und unbesiegbar sei. Die beidenanderen germanischen Stämme, Tenchterer und Usipeter oder Usipii,welche vor Cäsar's Augen mit Weibern und Kindern über den Rhein nachGallien gingen, mehr als 430,000 Mann stark, erklärten dem Cäsar stolz,dass ihre Väter und Grossväter sie gelehrt hätten, niemalsund von Niemandem Gnade zu erbitten. Ueberhaupt waren alleGermanen, nach Cäsar's Aussage, von ungeheurem Wüchse, hatten einwildes Aussehen und waren bis zur Unglaublichkeit muthig, verwegen,sogar tollkühn. Sie kämpften grösstentheils zu Fuss, ihre Hauptstärkeaber, der Kern und beste Theil ihres Heeres war die vorzüglich bewaff-nete und ausgebildete Cavallerie. Jeder Reiter nahm hinter sich einenFusssoldaten aufs Pferd. Wenn der Kampf heftiger wurde, so sprangendie Fusssoldaten von den Pferden, liefen vor und nahmen thätigsten An-theil am Kampfe. Wenn einer der Reiter verwundet war, so trugen sieihn aus dem Kampfe. Sie waren so rasch und leicht im Laufe, dass nichtselten, mit der Hand sich an der Mähne der Pferde haltend, sie nebenden in vollem Lauf dahinjagenden Pferden herliefen. Zum Kampfestellten sich die Germanen nach Stämmen, Geschlechtern und Familienauf in dicht an einander geschlossenen quadratischen Abtheilungen oder