32. Die Germanen, Gallier, Helvetier, Britannier und Parther. 277
dann im cisalpinischen Gallien, geschlagen, sich nach Germanien zurück-wandten, um in dieser Periode nicht wieder zu erscheinen; — das zweiteMal in dem Zeitraum von 58—54, als Cäsar im gallischen Kriege gegendie Germanen einen Feldzug auf dem linken Rheinufer (58) und zwei(55—54) auf dem rechten ausführte. Darum kannten die Römer zu dieserZeit die Germanen noch sehr wenig, nämlich gerade so viel', als sieNachrichten über sie aus der Zeit der Thätigkeit des Marius und Cäsarerhalten hatten. Aus diesen Nachrichten geht Folgendes hervor:
Die Cimbern und Teutonen waren von aussergewöhnlicher Körper-grösse, kräftig, stark, muthig, von harten Sitten, wild und von hitzigerTapferkeit, konnten aber grosse Hitze und andauernde schwere Mühennicht ertragen, hatten nicht genügende Ausdauer, Festigkeit und Be-harrlichkeit, und, verwegen im Glück, Hessen sie im Unglück den Muthsinken. Ihren Einfall in das südwestliche Europa führten sie mit sehrbedeutenden Kräften aus und hatten ihre Familien und Heerden mit sichgeführt. Sie kämpften theils zu Pferde, theils zu Fuss. Ihre zu FussKämpfenden waren leicht und schlecht bewaffnet, mit äusserst einfachenund rohen Waffen ausgerüstet; theils aus Kühnheit und Uebermuth,theils aus Geringschätzung des Feindes entkleideten sie sich nicht selten,bevor sie sich ins Gefecht stürzten, bis auf den Gürtel, wodurch sie dannungeheure Verluste an Todten und Verwundeten hatten. Aber ihre Reiterwaren sehr gut und reich bewaffnet. Sie trugen glatt polirte und glän-zende Stahlrüstungeu, weisse hölzerne Schilde, statt der Helme die Köpfeverschiedener wilder Thiere mit geöffnetem Rachen und mit hohen flügel-artigen Federn, was ihnen ein furchtbares Aussehen gab. Jeder Reiterführte ein langes schweres Schwert und zwei Wurfspiesse. Die Cimbernund Teutonen kämpften gewöhnlich vor ihren Lagern, welche auf allenSeiten von Wagen umstellt waren und in denen sie ihre Familien undHeerden zurückliessen. Zum Gefecht formirten sie grosse, dicht zusam-mengeschlossene quadratische Massen, in der Schlacht gegen Mariusbei Vercellä ;101) hatten sich die Cimbern in den vorderen Gliedern mitKetten an einander geschlossen, welche an den Schilden festgemachtwaren, um besser in geschlossener Linie und gleicher Höhe zu bleibenund die Schlachtaufstellung undurchdringlich fest zu machen. Sie unddie Teutonen hatten Hörner und statt der Fahnen Schäfte mit rohen Nach-bildungen von allerlei wilden Thieren, Vögeln u. s. w. In den Kampfgingen sie mit furchtbarem Lärm und Geschrei oder, besser gesagt, mitwildem Gebrüll, vor welchem, nach den Worten der römischen Historiker,das Blut in den Adern gerann, selbst bei den tapfersten Kriegern; ihrerster Anlauf geschah mit unbeschreiblicher Heftigkeit, Wuth, Ungestümund Kraft, wenn aber der Feind ihn kaltblütig und standhaft aushieltund es noch dazu heiss und schwül war, so wurden sie bald matt und