Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 3 (1875) Vom Beginn des zweiten punischen Krieges bis zum Anfang der Kriege Julius Cäsars in Gallien : (218 - 58 v. Chr.)
Entstehung
Seite
266
Einzelbild herunterladen
 

266 in. Vom Tode Aloxander's d. Gr. bis zu Augustus (32330 v. Chr.).

bei der Cavallerie das Dreifache. Von dem Gehalte wurden in alterWeise verschiedene Abzüge gemacht.

In Bezug auf militärische Subordination und Geist befanden sich dierömischen Truppen zu dieser Zeit, so zu sagen, in einem Uebergangs-stadium von der früheren Vollkommenheit zu Unordnung und Verfallund bieten ein ebenso seltsames wie trauriges Bild dar. Unstreitig warensie noch jetzt ausgezeichnet durch Muth, Tapferkeit, Ordnung und guteAusbildung, welches Alles mehr oder weniger durch die Strenge derKriegsgesetze unterstützt wurde. Unzweifelhafte Beweise dafür lieferndie zahlreichen und glänzenden Siege der Römer, ihre grossartigen Er-oberungen und die dadurch herbeigeführte rasche Ausdehnung ihrerMacht in Europa, Asien und Afrika zu jener Zeit. Aber auf der anderenSeite waren die römischen Truppen schon nicht mebr von den erhabenenedlen Gefühlen der Ehre, Vaterlands- und Ruhmesliebe beseelt, sondernvon wilder Grausamkeit, Blutdurst, Plünderungswuth, Beutegier undvon der abscheulichsten Habgier. Römische Krieger nur noch demNamen nach, gehörten sie factisch den Ehrgeizigen, welche sie an-geworben hatten, sie in ihrem Solde erhielten, ihren rohen und gemeinenLeidenschaften nachsichtig Vorschub leisteten und sie als blindes Werk-zeug zur Verwirklichung ihrer verbrecherischen Pläne, der gesetz-widrigen Aneignung der höchsten Gewalt in Rom, gebrauchten. OhneScham die Regel acceptirend, dass das Vaterland da sei, wo esihnen gut ergehe [ubi bene, ibi patria) plünderten und verwüstetensie mit gleicher Grausamkeit römisches wie feindliches Gebiet, ver-gossen das Blut der friedlichen wehrlosen Bürger, empörten sich, fallsihrer Habgier kein Genüge geschah, offen gegen ihre Regierung, selbstgegen ihre Feldherren und schämten sich nicht, thätigen Antheil an ver-brecherischen Anschlägen, wie der des Catilina,' an Aufruhr, Empörun-gen und Bürgerkriegen zu nehmen. Selbst Cäsar's Truppen, ebensotapfer und ehrgeizig, wie ihrem Feldherrn ergeben, wagten einmal, vonBeutesucht fortgerissen, offen gegen ihn aufzustehen, und nur seineKlugheit, Festigkeit und Geistesgegenwart vermochte sie zu dem Gefühlder Pflicht und zum Gehorsam zurückzubringen und Rom vor Plünderungund Blutvergiessen zu retten. Und selbst die Art, wie Cäsar sie be-ruhigte, wirft schon ein helles Licht auf die sittliche Verwirrung und denmoralischen Verfall des römischen Volkes und Kriegers. Es ist bekannt,dass Cäsar, vor den Aufruhrern erscheinend, sie fragte: Was wolltIhr, Kameraden? Die Entlassung, antworteten sie.Gut,Ihr sollt sie haben, -Quirlten, erwiderte Cäsar,und schon dieseblosse Anrede Bürger, ehedem so ehrenvoll und so eng zusammen-hängend mit dem Kriegerstande, hielten sie jetzt bereits für so erniedri-gend und kränkend für Krieger, dass die Soldaten Cäsar's sofort bereutenund sich zufrieden gaben.