260 HI. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
äusserer Feinde zu schirmen, führte allmälig zur Besetzung der Pro-vinzen, in welche das Reich getheilt war, mit besonderen Armeen. DieArmeen in den Provnzen waren den Statthaltern (Landpflegern) unter-stellt, Proconsuln, welche schon ein Jahr Consuln gewesen waren, undPrätoren. In den Händen der Proconsuln und Prätoren lag die höchsteGewalt in der Provinz vereinigt, militärische wie bürgerliche, und dieVerbindung dieser beiden Gewalten war der Grund zu den ungewöhn-lichen Eigenmächtigkeiten, Bedrückungen und Erpressungen dieserStatthalter.
§. 204.Verschiedene Truppengattungen, ihre Bewaffnung und Anzahl.
Die neu eingeführte Art der Aushebung und Zusammensetzung derArmeen war die natürliche Ursache, dass die Truppen nicht mehr, wiefrüher, nach dem Wüchse der Krieger in Klassen eingetheilt werdenkonnten. Die Bezeichnung Hastati, Principes und Triarier verschwandund an Stelle dieser drei entstand nur eine Gattung schweren oder Linien-fussvolkes ohne besondere Benennung. Die Bezeichnung Velites blieb zwarbeibehalten, wurde aber auf das leichte Fussvolk übertragen, welches beiden unterworfenen Völkern ausgehoben war und nicht in den Etat derLegionen gehörte.
Die Reiterei unterschied sich wie früher in schwere und leichte,ausserdem aber thun Titus Livius und Julius Cäsar einer mittleren Artvon Reiterei [cetrati) *) Erwähnung, welche den griechischen Peltastenähnlich war. Indessen gehörte diese Art Cavallerie nicht in den Etatder Legionen.
Die Bewaffnung der Truppen war noch ganz die alte.
Das Stärkeverhältniss der verschiedenen Truppengattungen in denLegionen und Armeen hatte sich dadurch geändert, dass der bestimmte,wenn auch nicht immer gleiche Bestand der Legionen, und zwar von4—5000 Mann nur noch vom schweren Fussvolk und von der eigent-lichen Legionscavallerie in der Zahl von 300 Pferden galt. Die Anzahlder Hülfstruppen dagegen: des leichten Fussvolks und der leichten undschweren Reiterei, war unbestimmt und richtete sich nach den Umständen,war im Ganzen aber gegen früher vermehrt. Insbesondere hatte allmäligim Laufe der Zeit die Zahl der Hülfsreiterei zugenommen, und diese Reitereiwar grösstentheils ganz ausgezeichnet, da die Römer in dem Maasse wiesich ihre Eroberungen ausdehnten nach und nach auch ihre eigene Ca-vallerie durch die mehr oder weniger tüchtige hispanische, gallische,
*) Cetrati = Leichtbesehildete. Anmerkung des Uebersetzers.