31. Die E6iiier bis zur Zeit der Bürgerkriege (133—30 v. Chr.), 259
hängigen Völkern Europas, Asiens und Afrikas ausgehoben oder ange-worben wurden.
Die Aushebung der römischen Truppen in Italien fand ohne jedenUnterschied nach Herkunft, Stand. Vermögen und Moralität statt. Stattdessen führte Marina nur zwei Bedingungen ein: Wuchs und Kör-perkraft. Das war ein Schritt zur Barbarei, denn an Stelle der sitt-lichen Kraft trat die rohe physische Stärke. Zum Eintritt in die römischeCavallerie stellte man nicht mehr die früheren Anforderungen reichenBesitzstandes, sondern man hob sie genau so aus wie für das Fussvolkund fast ausschliesslich aus den Born unterworfenen und den von ihm un-abhängigen Völkern. Die Bürger aus der Klasse der römischen Bitterhatten sich vollkommen vom Dienste bei der Cavallerie frei gemacht underscheinen bei den Armeen nur noch vereinzelt um die Personen derFeldherren, in verschiedenen höheren Ehrenämtern, oder gar als eine Artvon Leibwache. Die Aushebung der Truppen erfolgte im Allgemeinenohne Beobachtung der alten gesetzlichen Formen, ohne Unterscheidungder Tribus, meistentheils nur durchs Loos. Die Gelegenheiten, sich derAushebung und dem Kriegsdienste zu entziehen oder davon zu befreien,wurde immer häufiger in Folge der Bestechungen von der einen und derBestechlichkeit, Feilheit und Erpressungen von der andern Seite.
Die angeworbenen Truppen leisteten ihren Eid der Treue nicht mehrder Bepublik und dem Vaterlande, sondern demjenigen Feldherren,welcher sie warb, und nur in Beziehung auf ihn galt der Bruch des Eidesals Verrath. Die Nothwendigkeit, fast ununterbrochene, langwierigeinnere und äussere Kriege zu führen, die auf ungesetzlichem Wege er-langte oberste Gewalt zu behaupten, die eroberten Länder in Gehorsamzu erhalten und die Grenzen des Staates gegen die bereits beginnendenEinfälle der Völker Mitteleuropas und Hochasiens zu schützen, zwangdie Feldherren mit allen Mitteln die Truppen möglichst lange unter denFahnen zusammenzuhalten und sie auch nach Beendigung der Kriegenicht zu entlassen, sondern sie während der Friedeuszeit weiter zu unter-halten.
So war der Kriegerstand, früher so ehrenvoll, zu einem blossenHandwerk herabgesunken, und die Heere, bis dahin Volksheere, nurauf Zeit dienend, ausgezeichnet durch ihre vortreifliehe Zusammen-setzung aus auserlesenen Bürgern, waren schon ihrem Wesen nach zuSöldner-und stehenden Heeren geworden, aber nicht Kraft einesGesetzes, sondern trotz derselben, sie vereinten in sich alle Mängel derschlechten Zusammensetzung und der unregelmässigen einsichtslosenAuswahl und wuchsen an Zahl in demMaasse, wie die Bömer ihre Machtrasch über Europa, Asien und Afrika ausdehnten. Die Nothwendigkeit.die eroberten Gegenden im Zaum zu halten und gegen das Eindringen
17*