252 HI. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
um die ganze Stadt her in einer Ausdehnung von 48 Stadien (etwas über8 Werst = iy 5 Meile) eine Contravallationslinie auf, und nach demoffenen Felde zu eine Circumvallationslinie von 66 Stadien (11 Werst =über 1V2 Meile) Umfang. Jede dieser Verschanzungslinien bestand auseinem Wall von 10 Fuss Höhe und 8 Fuss Dicke mit Zinnen, einem nachdem Felde zu geneigten Pallisadenzaun, einem breiten tiefen Graben da-vor und halbrunden erhöhten Verschanzungen (Bastionen) zur Aufstellungvon Beobachtungsposten, Bogenschützen und Wurfgeschütz. Die Legionenlagerten in abgesonderten Lagern zwischen beiden Linien. Um dieLinien an den Stellen, wo sie von Sümpfen unterbrochen waren, zu ver-binden, waren Erdaufwürfe mit eben solchem Walle, wie eben be-schrieben, hergestellt; um die Verbindung der Belagerten mit der Um-gegend vermittelst des Flusses Durius (h. Duero) zu verhindern, wurdenauf demselben schwimmende befestigte Dämme erbaute {Estacades),an beiden Ufern aber besondere Schanzen (Forts) construirt, sodass dieNumantier vollkommen von jeder Verbindung nach aussen, von jederZufuhr oder Verstärkung abgeschnitten waren. Die Mauern, Thürmeund Schanzen wurden mit Wurfgeschütz, mit Bogenschützen und Schleu-derern besetzt; Scipio vertheilte in zweckmässiger Weise die übrigenTruppen auf beide Linien*) und traf derartige Anordnungen, dass,welchen Punkt auch die Numantier angreifen mochten, die Truppen sichsofort bei Tage und bei Nacht durch verabredete Signale davon in Kenntnisssetzen konnten und stets bereit waren sich gegenseitig zu unterstützen.Auf diese Weise wurden sämmtliche Ausfälle der Numantier stets erfolg-reich zurückgeschlagen, und bald brach in der Stadt eine furchtbareHungersnoth aus. Einem der Numantier gelang es eines Nachts, dierömischen Verschanzungen zu übersteigen und zu dem Volke der Arevakersich durchzuschleichen, um deren Hülfe zu erbitten. Aber die Arevakerverweigerten ihre Hülfe aus Furcht vor Scipio, und nur in der einen StadtLutia fanden sich die jungen Leute bereit dazu. Die älteren Bürger abergaben ungesäumt dem Scipio davon heimlich Kenntniss, und dieser brachsofort mit einem starken Truppencorps nach Lutia auf, forderte die Aus-lieferung der Schuldigen, liess ihnen zur Strafe die Hände abhauen undkehrte dann eben so rasch nach Numantia zurück. Durch diese grau-same Züchtigung verbreitete er Schrecken bei den benachbarten Stämmen,welche von nun ab Nichts zur Hülfe von Numantia zu unternehmenwagten. Die Numantier, durch den Hunger aufs Aeusserste gebrachtund aller Hoffnung auf Entsatz beraubt, knüpften Unterhandlungen mit
*) Von seinen 60,000 Mann waren 30,000 zur Besetzung und Vertheidigung derLinien und Schanzen, 20,000 für den Kampf und 10,000 zur Unterstützung (in Ee-serve) bestimmt.