30. Kriege der Eömer nach dem zweiten punischen Kriege (200—133 v. Chr.). 245
That gegen sie war die Rettung eines 10,000 Mann starken lusitanischenHeeres, das der Prätor Vetilius in einem Orte eingeschlossen hatte, vonwo es scheinbar kehren Ausweg gab, ohne gänzlich aufgerieben zuwerden (149). Schon wollte es sich ergeben, allein Viriathus erinnertees an das treulose und grausame Verfahren Galba's und erbot sich, es zuretten. Zu dem Zweck stellte er das Heer gleichsam wie zum Kampfeauf; dann wählte er 1000 der besten Reiter aus und befahl ihnen bei ihmzu bleiben, allen Uebrigen gab er auf, sobald sie sähen, dass er zu Pferdesitze, sich nach allen Seiten zu zerstreuen und Hals über Kopf auf denverschiedensten Wegen zu der benachbarten Stadt Tribola zu fliehen, wosie ihn erwarten sollten. Dies wurde so rasch und für die Römer so un-erwartet ausgeführt, dass sie die Fliehenden nicht zu verfolgen wagten,aus Furcht, Viriathus möge mit der Reiterei ihnen in den Rücken fallen,weshalb sie sich dann gegen Viriathus selbst wendeten. Er aber wich,Dank der Geschwindigkeit seiner Pferde, allen Angriffen des Vetiliusaus, und bald scheinbar fliehend, bald Halt machend, bald auf die Römereindringend, gelang es ihm, sie zwei Tage lang an derselben Stelle fest-zuhalten. In der zweiten Nacht brach er mit seinen Reitern auf ihm be-kannten Pfaden nach Tribola auf, sodass die Römer gar nicht begreifenkonnten, wie und wohin er entkommen sei. Aehnlich, aber unendlichmannigfaltig, waren während ganzer zehn Jahre (149 —140) seine Unter-nehmungen gegen die Römer. Das Terrain gründlich kennend und aus-nutzend, dabei mit ungewöhnlicher Schlauheit die ausserordentlichsteEntschlossenheit, Schnelligkeit und Energie der Action verbindend, legteer unaufhörlich den Römern Hinterhalte in Wäldern, Sümpfen, Gebirgs-schluchten, in die er sie gewandt hineinlockte, fiel dann plötzlich mit Un-gestüm von verschiedenen Seiten über sie her. machte sie schonungslosnieder und verbreitete unsägliches Entsetzen bei ihnen. Nicht seltenauch theilte er sein Heer in eine Menge kleiner Abtheilungen, welcheeinen lebhaften kleinen Vernichtungskrieg führten, das bedeckte Terrainbenutzten und aus Hinterhalten sie überfielen; dann wieder zog er seineKräfte zur Ausführung irgend welches entschiedenen Schlages rasch zu-sammen. Es ist begreiflich, dass bei solcher Art Kriegführung dieRömer, mit dem Terrain ganz unbekannt, ungewöhnt und auch wenig ge-eignet den kleinen Krieg in einem von Gebirgen und Flüssen durch-schnittenen, mit Wäldern bedeckten Terrain inmitten einer ihnenäusserst feindlichen und erbitterten Bevölkerung zu führen, und häufigvon schlechten Feldherren befehligt, welche schon den blossen Namen desViriathus fürchteten, — viele und schwere Niederlagen erlitten, die sienur durch Plünderung und Verwüstung des Landes vergelten konnten. Soüberfiel im Jahre 149, unmittelbar nach der oben angegebenen Fluchtnach Tribola, Viriathus in einem Walde aus dem Hinterhalt die nach