244 IH. Vom Tode Alexander'» d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
in dem Letzteren die Lusitanier. Dieser Krieg war ausserordentlich hart-näckig, erbittert und blutig: 1) wegen des gebirgigen durchschnittenenGeländes in Hispanien, wo der Schwächere bei jedem Schritte sich leicht,bequem und vortheilhaft gegen den Stärkeren vertheidigen konnte,2) wegen der starken Bevölkerung Hispaniens, 3) wegen der ungewöhn-lichen kriegerischen Gesinnung, Tapferkeit und des Muthes der Hispanierund ihrer Liebe zur Unabhängigkeit, endlich 4) in Folge der gewöhn-lichen Politik Roms, die eine Hälfte der Bewohner des feindlichen Lan-des, die es mit den Römern hielt, gegen die andre in Waffen zu bringen,welche den Römern feindlich gesinnt war. Den höchsten Grad von Er-bitterung und Wuth erreicht dieser Krieg aber seit der Zeit, da dierömischen Truppen in Hispanien (seit 195) unter Cato's Befehl standen,der in dem Zeitraum von 185 bis 179 die Celtiberer in ihrem eigenenLande angriff, und dem es schliesslich gelang, das diesseitige Hispanienzu paeificiren. Dann aber führten die Römer in den Jahren 155 bis 150den Krieg in Hispanien so unglücklich und erlitten so häufige und schwereNiederlagen, dass Soldaten wie Heerführer der Römer Nichts mehrfürchteten als die Bestimmung nach Hispanien, immer nur höchst un-gern dorthin gingen, und dass in Rom Hispanien die Bezeichnung»Grab der Legionen« erhielt. Die Habgier, Niederträchtigkeit undGrausamkeit der römischen Feldherren, vornehmlich des Prätors Sulpi-cius Galba im Jahre 150, trieben endlich die Erbitterung der Hispanierauf die höchste Stufe. Lusitanien mit Feuer und Schwert verwüstend,machte Galba heimtückischer Weise einem ganzen Volksstamm, der seineUnterwerfung erklärt hatte, den Vorschlag sich nach drei verschiedenenvon Galba bezeichneten Orten zu begeben, um dort fruchtbare andereGegenden angewiesen zu erhalten. Sobald sie dies gethan hatten, liessGalba sie verrätherischer Weise einzeln einen Theil nach dem andernniederhauen, den kleinsten Theil der dabei gewonnenen Beute gab er demHeere, den grösseren behielt er für sich, so sehr hatten sich zu dieserZeit schon die Sitten der Römer verschlechtert!
Unter der kleinen Zahl Derer, welche dem Verderben durch Galbaentrannen, befand sich Viriathus, ein Lusitanier von niederer Herkunft,aber ein wahrhaft aussergewöhnlicher Mensch: erst Hirt, dann Räuber,hatte er von Jugend auf sein Leben in Bergen und Wäldern mit einerBande ihm ähnlicher verwegener Abenteurer zugebracht, von Raub undPlünderung lebend, an die grössten Beschwerden, Entbehrungen, Ge-fahren gewöhnt, in allen Listen erfahren, welche zu dem Räuberhand-werk unerlässlich nothwendig waren. Die grosse Berühmtheit seinesNamens führte ihm fortwährend neue Gefährten zu, seine Bande wuchsendlich derart an, dass sie ein ordentliches Heer bildete, mit welchemer sich keck die Römer zu bekriegen erkühnte. Seine erste denkwürdige