30. Kriege der Eömer nach dem zweiten punischen Kriege (200—133 v. Chr.). 241
zwanzig Tagen die Stadt selbst mit einer starken Circumvallationslinieauf der Landseite und einem Damm auf der Seeseite, und schnitt sie da-durch von jeglicher Verbindung mit dem festen Lande und der See undvon aller Zufuhr von dort ab. Im folgenden Jahre (146) ward des ScipioOberbefehl in Afrika verlängert, und im Frühling führte er auf denHaupttheil von Karthago. Kothon den Sturm aus; aber er kam erst dannganz in den Besitz der Stadt, als nach unaufhörlichem, hartnäckigemund blutigem Kampfe, der sechs Tage und sechs Nächte dauerte, eineder Strassen nach der andern bis zu der innersten Citadelle oder Burg,Byrsa, erstürmt worden, in welcher sich Hasdrubal endlich gefangengab. 40,(100 Karthager, welche am Leben geblieben waren, wurden be-gnadigt und erhielten freien Abzug, Karthago selbst wurde dem Erd-boden gleich gemacht, sein Gebiet wurde unter der Bezeichnung Africazur römischen Provinz erklärt.
§. 200.Der dritte macedonisehe und der achäische Krieg (148—146).
Während in Afrika die Eömer noch mit der Belagerung von Kar-thago beschäftigt waren, brach in Macedonien und Griechenland ein Auf-stand gegen sie aus, der Anlass zu dem dritten macedonischen und demachäischen Kriege wurde. Ein gewisser Andriskus, der sich für denSohn des Perseus ausgab und Philippus nannte, hatte mit Hülfe derThracier sich im Jahre 149 Macedoniens und eines Theiles Thessaliensbemächtigt, und die Macedonier, erfreut über die Gelegenheit sich vomrömischen Joche zu befreien, riefen ihn unter dem Namen Philippus zuihrem Könige aus. Die Römer entsandten gegen Andriskus zuerst denScipio Nasica, welcher ihn auch mit Hülfe der Griechen aus Thessaliendrängte. Der Prätor Juventius aber, der sich darnach mit einer römischenArmee ihm entgegenstellte, Hess sich unbesonnen in einen Kampf mitihm ein, wurde besiegt und getödtet, ein Theil seines Heeres aufgerieben,der Rest entkam durch die Flucht, und der Pseudo-Philippus setzte sichaufs Neue in den Besitz von Thessalien. Im folgenden Jahre (148) ver-folgte der an die Stelle des Juventius getretene Prätor Cäcilius Metellusden Pseudo-Philippus nach Pydna, wo dieser Letztere ein befestigtesLager bezog. Während einiger Tage fanden zwischen beiden Armeenleichte Scharmützel statt, in einem Reitergefecht blieb der Erfolg auf desfalschen Philippus Seite. Hierdurch verblendet detachirte er ein starkesCorps von seiner Armee zum Schutze der von ihm unterworfenen TheileThessaliens und schwächte sich dadurch unüberlegter Weise. Metellusmachte sich das zu Nutze und besiegte den falschen Philippus bei Pydna.Der Betrüger floh nach Thracien, kehrte aber bald mit einem frischen
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. I, 3. 16