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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 3 (1875) Vom Beginn des zweiten punischen Krieges bis zum Anfang der Kriege Julius Cäsars in Gallien : (218 - 58 v. Chr.)
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236 HI. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (32330 v. Chr.).

genen Geldes die bei ihm befindlichen römischen Gesandten in das Ge-fängniss geworfen hatte, erfüllte Perseus seine Zusage nicht in der Er-wägung, dass Gentius nun ohnehin gezwungen sein werde, den Kampfmit den Römern zu beginnen. Gentius konnte aber ohne Geld keineTruppen zusammenbringen, noch eine Flotte ausrüsten, noch den Römernnachdrücklichen Widerstand leisten, und bald hatten sich alle StädteIllyriens dem Anicius freiwillig unterworfen und Gentius selber sichihm gefangen gegeben. Ebenso treulos verfuhr Perseus auch mit denBastarnern, welche, da sie nicht im Voraus den versprochenen Sold er-hielten, über die Donau zurückkehrten. Was die Rhodier anbelangt undEumenes und Antiochus, so wurden die Unterhandlungen mit ihnen zuspät angeknüpft und ausserdem konnten sich beide Theile, hauptsäch-lich auch wegen des Geizes des Perseus, nicht über die Bedingungeneinigen.

In Macedonien angekommen fand Aemilius Paullus den Perseus invortheilhafter Stellung am Ufer des Meeres und des Flusses Enipeus amFusse des Olympgebirges auf schwer zugänglichem Terrain in einemverschanzten Lager. Ihm gegenüber auf dem anderen Ufer des Enipeussich aufstellend begann Aemilius Paullus damit, dass er in der römischenArmee die locker gewordene militärische Ordnung, Pünktlichkeit undThätigkeit im Dienste mit aller Strenge wieder einführte, was dann imVerein mit der Kunde von des Anicius Erfolgen den Geist der römischenTruppen ausserordentlich hob, bei Perseus und in seinem Heere dagegenBeunruhigung und Besorgniss hervorbrachte. Da Aemilius Paullus dieSchwierigkeit und das Gefahrvolle eines Angriffes mit offener Gewaltauf Perseus in seinem Lager einsah, so schickte er den Scipio Nasica(Schwiegersohn des Scipio Africanus major) mit 5000 auserlesenenKriegern ab, um die Stadt Pythium auf dem Gipfel des Olymp im Rückendes Perseus zu besetzen; er selbst lieferte während dessen, um des Per-seus Aufmerksamkeit ganz auf sich zu lenken, zwei Tage nach einandermit seinem leichten Fussvolk den Truppen des Perseus, welche das Uferdes Enipeus besetzt hatten, kleine Gefechte. Während auf diese Weise dieganze Aufmerksamkeit des Perseus auf Aemilius Paullus gerichtet war,hatte Scipio Nasica in heimlichen Märschen den pythischen Bergpass er-reicht, überfiel Nachts plötzlich das nur schlecht Wache haltende mace-donische Corps, schlug und zersprengte es und bemächtigte sich desPassüberganges wie der Stadt Pytbium. Nun zog sich Perseus, einenAngriff im Rücken fürchtend, vom Enipeus zurück und berief einenKriegsrath, um Beschluss zu fassen, was besser sei: den Kampf unterden Mauern der nahen festen Stadt Pydna anzunehmen, oder sein Heerin die Städte zu vertheilen, sich darin zu halten und abzuwarten, bis derFeind, nach Aussaugung der Gegend, gezwungen sei zurückzugehen.