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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 3 (1875) Vom Beginn des zweiten punischen Krieges bis zum Anfang der Kriege Julius Cäsars in Gallien : (218 - 58 v. Chr.)
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30. Kriege der Körner nach dem zweiten panischen Kriege (200133 v. Chr.). 237

Der letztere Ausweg war der vorsichtigere und klügere; der Kriegsrathaber, in unbegreiflicher Verblendung, behauptete im Gegentheil, dassdie Annahme des Kampfes unter den Mauern von Pydna die meistenBürgschaften des Erfolges biete, weil die macedonische Armee (über40,000 Mann) stärker sei, als die römische (ungefähr 26,000 Mann), weildieselbe den Kampf ungeduldig ersehne, auf heimischem Boden und fürihre Familien zu kämpfen habe und ausserdem, durch die persönlicheGegenwart und das Beispiel ihres Königs angefeuert, mit verdoppeltemMuthe, Tapferkeit und Siegesfreudigkeit fechten werde. Von derselbenVerblendung ergriffen, wie sein Kriegsrath und ohne zu erwägen, mitwelcher Armee und mit welchem Feldherrn er zu thun habe und denEntscheidungskampf kämpfen solle, stellte sich Perseus bei Pydna nahedem Ufer des Meeres auf einer Ebene auf, welche rechts und links vonniedrigen Hügeln begrenzt war. Aemilius Paullus folgte nach seinerWiedervereinigung mit Scipio dem Perseus in Schlachtordnung; da eraber erst am Nachmittage in die Nähe von Jenes Lager kam, so bezoger ein befestigtes Lager, indem er kluger Weise den Kampf auf den fol-genden Tag verschob, denn der Tag war schwül und das römische Heervon dem zurückgelegten Marsche ermüdet. Am nächsten Tage entspannsich der Kampf von selbst zufällig und ehe Aemilius Paullus noch dasübliche Signal dazu gegeben hatte. Ein Corps thracischer Truppen griffdie römischen Krieger an, welche vom Futterholen zurückkehrten; vonbeiden Seiten wurden die Kämpfenden allmälig verstärkt und bald wurdeauf diese Weise der Kampf allgemein. Die Einzelheiten desselben sindunbekannt, da die Bücher des Polybius verloren gegangen, welche dieBeschreibung desselben enthielten; Plutarch aber und Titus Livius be-schreiben ihn nur kurz und in verschiedener Weise. Gewiss ist nur, dasszu Anfang des Kampfes die Phalanx des Perseus sich ausgezeichnethielt und alle Anstrengungen der Kömer an dieser geschlossenen, festen,undurchdringlichen, mit Eisen bedeckten und von langen Lanzen (Sa-rissen) starrenden Truppenmasse sich brachen. Die ganze erste Linieder Römer gerieth sogar in Verwirrung und erlitt schwere Verluste, auchdie zweite ermattete und kam ins Schwanken und schon sank die Hoff-nung der Römer auf den Sieg. Aber Aemilius Paullus, der bemerkthatte, dass die Phalanx den festen Schluss verlor und sich willkürlich inden Gliedern zu lockern begann, theilte seine Truppen in kleine Ab-theilungen, denen er befahl, aus dem Kampf vor der Phalanx zurück-zuweichen , sie aber durch einzelne Angriffe zu beunruhigen, welchehauptsächlich auf die sich bildenden Lücken zu richten seien. DiesesVerfahren erreichte vollkommen seinen Zweck. Die Phalanx löste sich,in dem Maasse wie sie den Römern nachrückte, mehr und mehr will-kürlich auf, und als endlich ihre Front zu schwanken begann und die