234 HI. Vom Tode Alexancler's d. Gr. bis zu Angustus (323—30 v. Chr.).
gestalt durcli des Mavcius List getäuscht und durch die Hoffnung aufFrieden verblendet, Hess Perseus die günstigste Zeit und Gelegenheit,den Römern mit dem Kriege zuvorzukommen, verstreichen, zu welchemer doch zuerst so unbesonnen entschlossen war. Während aber seineGesandten vergeblich nach Rom gegangen waren und wieder zurück-kehrten, erklärte sich der ganze achäische Bund und fast ganz Böotienfür die Römer und versprachen diesen Hülfstruppen zu stellen, rüstetendie Rhodier eine starke Flotte für Rom und konnten die Römer selbsteine sorgfältig ausgewählte Armee (24,000 Mann zu Fuss und 1800 Rei-ter) aufstellen, mit welcher der Consul Licinius Crassus (im Jahre 171)nach Epirus übersetzte und in Thessalien einrückte. Nun erst, sehrspät, entschloss sich Perseus zum Kriege, war aber bereits gezwun-gen, ihn nicht offensiv, sondern nur defensiv in Thessalien und Mace-donien selbst zu führen. Uebrigens war während der ersten drei Jahre(171—169) der Erfolg im Allgemeinen mehr auf seiner Seite, als auf derder Römer, nicht sowohl in Folge seiner Kunst, als der Unfähigkeit derrömischen Consuln Licinius Crassus, Hostilius und Marcius, und derLangsamkeit, Unentschiedenheit und Ungeschicklichkeit ihrer Opera-tionen. Auch Perseus machte häufig grosse Fehler, aber die römischenHeerführer operirten noch fehlerhafter, und es war deshalb nicht zu ver-wundern, dass der Erstere nicht allein sich drei Jahre lang gegen dieRömer zu halten vermochte, sondern sogar mehr als einmal Erfolge übersie davon trug. So hatte er im ersten Jahre (171), wo er mit 43,000Mann in Thessalien stand, nicht die schwierigen Pässe in dem Gebirgezwischen Epirus und Thessalien besetzt und dadurch dem LiciniusCrassus gestattet, in Thessalien einzudringen und sich dort mit 5000Mann zu vereinigen, welche Eumenes herangeführt hatte. Hier erlittaber Licinius in Folge seiner Nachlässigkeit in einem Cavalleriegefechtean den Ufern des Flusses Peneus eine Niederlage und vermochte nurdeshalb bei Einbruch der Nacht sich über den Peneus zu retten, weilPerseus nach dem Kampfe die Verfolgung beschlossen hatte, in der Nachtaber den Feind aus den Augen verlor. Von Besorgniss ergriffen, bot ersogar dem Licinius Frieden an, erhielt aber die Antwort, dass er seinund seines Reiches Schicksal ganz der Willkür des römischen Senatesanheimstellen müsse. Nach mehreren unbedeutenden Vorkommnissendes kleinen Krieges ging dann Perseus für den Winter nach Macedonienzurück, Licinius verblieb mit seinem Heere in Thessalien. Währenddessen war die römische Flotte bei Oreus (auf der Insel Euböa) durchdie macedonische besiegt worden, Epirus von den Römern abgefallen undhatte sich mit Perseus verbündet. Im zweiten Jahre (170) besiegte Per-seus in Thessalien den Consul Hostilius und schlug ihn in die Flucht,operirte danach,auch erfolgreich weiter gegen ihn; im Winter führte er