29. Der zweite punische Krieg (218—202). 217
Krieges numerisch nicht schwächer wurde, sondern sich verstärkte. Sohatte er während der sechszehn Kriegsjahre in Italien fast immer mehr,selten nur weniger als 26,000 Mann, in welcher Stärke er schon über dieAlpen gegangen war, und nach Ablauf dieser Zeit schiffte er sich mit24,000 Mann nach Afrika ein, nachdem er noch 5—6000 Mann im Brutti-schen zurückgelassen hatte. Er completirte seine Armee fast ausschliess-lich durch Anwerbungen aus den mit ihm verbündeten oder von ihm er-oberten Gebieten Italiens, sehr selten nur und in geringem Maasse durchVerstärkungen aus Afrika.
Der Unterhalt seines Heeres wurde durch Entnahme von Lebens-mitteln aus den von ihm besetzten Gegenden bewerkstelligt, im Sommervermittelst Fouragirungen, im Herbst, Winter oder Frühjahr aus Maga-zinen, die während des Sommers aufgespeichert worden. Diese Magazinewurden eingerichtet in befestigten Städten, Burgen oder Lagern. InItalien war er im Allgemeinen ziemlich besorgt für die Verpflegung seinerArmee, indem er seinen Fourageurs deckende Abtheilungen mitgab,seine Vorrathsmagazine und seine Verbindungen mit denselben sicherte.Um den Feind der Mittel zum Unterhalt zu berauben und sie seineneigenen Truppen zu verschaffen, griff er nicht selten zu Unternehmungengegen die feindlichen Vorrathsmagazine und die Communicationen desFeindes mit denselben.
Auch seine taktischen Anordnungen verdienen besondere Aufmerk-samkeit und Lob. Sie waren stets dem Terrain, den Umständen, derKraft, den Eigenschaften, der Lage und den Handlungen des Feindesangepasst, mehr oder weniger mit Heimlichkeit und mit den verschieden-artigsten Kriegslisten gepaart, gewöhnlich mit Ueberfällen aus Hinter-halten oder Verstecken. Bei den Marschbewegungen theilte Hannibalseine Truppen meist so, dass die besten und zuverlässigsten (Hispanierund Afrikaner) an der Tete marschirten, die weniger zuverlässigen(Gallier und italische Verbündete) mit der Bagage in der Mitte, Keitereiund leichtes Fussvolk je nach Umständen vorn, hinten oder zur Seite.Im Kampfe befolgte er meist die Begeln der griechischen Taktik, indemer das schwere Fussvolk im Centrum in Phalanxform in einer Linie auf-stellte , seit der zweiten Hälfte des Krieges in zwei, bei Zama sogar indrei Linien, das leichte Fussvolk,vor dem schweren, dieElephanten vorder Front der ganzen Armee, die Reiterei aber auf den Flanken, dieschwere auf der einen, die numidische auf der andern. Zur besserenund erfolgreichen Thätigkeit der Elephanten, der Phalanx und Reitereiwählte er zum Kampfe vorzugsweise ebenes und offenes Terrain, auf demer aber die kleinsten Unebenheiten und Vertiefungen, Schluchten undHohlwege zum Versteck für Truppen und Legung von Hinterhaltenbestens zu benutzen verstand. Da er fast immer schwächer war, als der