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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 3 (1875) Vom Beginn des zweiten punischen Krieges bis zum Anfang der Kriege Julius Cäsars in Gallien : (218 - 58 v. Chr.)
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29. Der zweite panische Krieg (218202). 215

übrigen Völker Asiens leisteten zwar dem Alexander tapfer und hart-näckig Widerstand, waren aber wilde oder halb barbarische Stämme.Ausserdem hatte Alexander, allein den Memnon ausgenommen, sich gegen-über keinen einzigen fähigen, erfahrenen und geschickten Feldherrn.Hannibal dagegen führte Krieg gegen einen Staat, der in der vollstenBlüthe der Kraft stand, eiue vorzügliche Heereseinrichtung, unge-schwächte Kräfte , Mittel und Hülfsquellen besass , von einer trefflichenRegierung geleitet, von einem mannhaften, kriegerischen, tapferen, vonVaterlandsliebe beseelten , kriegserfahrenen und im Kriegswesen ge-wandten Volke bewohnt wurde, das, aus vielen Kriegen siegreich undruhmgekrönt hervorgegangen, nach neuen Erfolgen und Eroberungenlechzte, und das endlich von fähigen, erfahrenen und tüchtigen Feld-herren geführt wurde. Noch in vielen anderen Beziehungen war Alexan-ders Lage in Asien unvergleichlich günstiger gewesen, als die Hannibal'sin Italien. Es folgt indessen hieraus nicht, dass Hannibal als Feldherrhöher gestanden habe, als Alexander; sie sind Beide als Feldherren gleichgross, sie erregen Beide Interesse und Bewunderung, aber Jeder inseiner Weise, und wenn Alexander gross war im Glück, so warHannibal unstreitig gleich gross im Unglück.

Speciell in Bezug auf Art und Kunst ihrer Kriegführung waren dieOperationen Hannibal's, wie die Alexander's,' auf dieselben oder wenig-stens auf sehr ähnliche Grundprincipien basirt und bieten in dieser Hin-sicht grosse Aehnlichkeit unter einander dar.

Auch Hannibal führte, gleich Alexander, den Krieg, wie Napoleon I.es ausdrückt, methodisch, d. h. gegründet auf eine bestimmte Me-thode oder Art, auf Grund eines vorher richtig und geschickt combi-nirten Entwurfes oder Planes, der in seinen Hauptgrundzügen unabweich-bar ausgeführt, in den Einzelheiten der Ausführung aber den Umständenund Mitteln geschickt angepasst war. Er hatte stets im Rücken hintersich eine organisirte und gesicherte Operationsbasis, eine Landstreckeoder Gebiet, worin seine Magazine und Verstärkungen sich befanden unddie ihm zum Stützpunkt seiner Operationen, zur Quelle seiner Streit-kräfte, Mittel und Materialien, im Fall des Misslingens aber und der Nothzur Zufluchtsstätte diente. Solche waren für ihn zuerst.Hispanien, dascisalpinische Gallien und Ligurien, dann Apulien, Campanien, Lucanien,Calabrien und endlich Bruttium. Er hielt stets die Verbindung mit ihnenfest, indem er sie theils durch Besatzungen in den Städten, grösserenTheils durch Verbündete deckte.

Nachdem er solchergestalt seinen Rücken gedeckt hatte, operirte erbis zur Schlacht bei Cannä mit gesammter geschlossener Macht, nachderselben mit getheilten Kräften, indem er bei nächster Gelegenheit, jenach Bedürfniss und Umständen, die getrennt agirenden Corps an sich