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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 3 (1875) Vom Beginn des zweiten punischen Krieges bis zum Anfang der Kriege Julius Cäsars in Gallien : (218 - 58 v. Chr.)
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212 III. Vom Tode Alexancler's cl. Gr. bis zu Augustus (323 - 30 v. Chr.).

und Ehrfurcht, Ergebenheit und Vertrauen zu seiner Person, Muth, Aus-dauer und Standhaftigkeit in den schwierigsten und gefahrvollsten Lageneinzuflössen und sie zu glänzender Tapferkeit im Gefecht anzuspornen.Gleich Alexander erreichte auch er dies Alles durch seine beständige,nie ruhende Fürsorge für sie und für ihre Bedürfnisse, durch seinen leut-seligen freundlichen Verkehr mit ihnen, die gerechte Vertheilung vonBelohnungen und Strafen, durch sein persönliches Beispiel und die un-gewöhnliche Gabe der Rede. Hannibal schätzte gerade diese Gabe inPyrrhus (den er besonders hoch stellte und verehrte) und erachtete sieals eben so werthvoll wie die vollendete Kenntniss des Kriegswesens,welche, nach seiner Meinung, dieser König-Feldherr besass; er warselber in hohem Grade der Bede mächtig, und zwar nicht der oratorischenwortreichen Schönrednerei, sondern jener Kunst, tiefe und wahre Ge-danken mit wenigen Worten und aussergewöhnlich überzeugender Kraftauszusprechen, wie man nicht sowohl aus seinen Ansprachen vor derSchlacht, welche von den Historikern angeführt werden und möglicherWeise von ihnen erfunden oder wenigstens ergänzt sind, sondern ausden vielen treffenden Aussprüchen entnehmen kann, welche nach münd-lichen Traditionen hier und da in der Geschichte aufbewahrt sind.

Wenn aber Alexander wie Hannibal durch dieselben Mittel bei ihrenKriegern die gleiche Liebe und das gleiche Vertrauen erlangten und die-selbe straffe militärische Zucht und Ordnung aufrecht zu erhalten wussten,so ist doch zu bedenken, dass für Hannibal dies unvergleichlich vielschwerer war und in weit höherem Maasse ihm zu Ehre und Ruhm ge-reichte, namentlich in der zweiten Hälfte des Krieges. Er befehligte inItalien eine buntgemischte Armee, aus Kriegern der verschiedenstenStämme zusammengesetzt, verschieden nach Herkunft, Sitten, GebräuchenundSprache, während Alexander inAsien ein Heer besass, dessen Kern undHauptmacht die vorzüglich geschulten und vom besten Geiste beseelteneingeborenen macedonischen und griechischen Truppen bildeten. Unddabei haben in den sechszehn Kriegsjahren Hannibal's seine Truppenihm niemals den Gehorsam verweigert oder das Vertrauen entzogen (aus-genommen vielleicht die nach der zweiten Schlacht bei Nola im Jahre 215zu den Römern übergelaufenen 1272 hispanischen und numidischen Reiterund einige andere einzelne Fälle von Desertion aus seinem Heere zu denRömern), sich nie durch störrischen Eigensinn, Murren oder offenen Auf-ruhr entehrt, obschon sie oft genug gezwungen waren wahrhaft unglaub-liche Strapazen auszuhalten, Entbehrungen zu ertragen und Gefahrenzu bestehen. In Alexancler's Armee dagegen begannen schon um dieMitte seiner Feldzüge in Asien Unzufriedenheit, Murren, sogar Ver-schwörungen auszubrechen, und die endlich offen ausgesprochene Weige-rung der ganzen Armee am Fluss Hyphasis, noch weiter nach Osten zu