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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 3 (1875) Vom Beginn des zweiten punischen Krieges bis zum Anfang der Kriege Julius Cäsars in Gallien : (218 - 58 v. Chr.)
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29. Der zweite punische Krieg (218202). 211

über sich selbst, verbunden mit der Verschlossenheit seines Charakters,hat dem Titus Livius Anlass gegeben zu der Beschuldigung der Hinter-list und Tücke, ein Vorwurf, dem kein Schatten von Berechtigunginnewohnt.

In Hannibal, wie in Alexander dem Grossen, war eine ausserge-wöhnliche Geisteskraft mit einer ebenso ungewöhnlichen Willens-kraft vereint, aber in jenem erforderlichen beständigen Gleichgewicht,welches nach der Meinung Napoleon's I. ein wesentliches Erfordernissdes Feldherren ist; dagegen ward in Alexander dieses Gleichgewicht nichtselten durch das Uebermass von Feuer und das Uebergewicht des Willensüber den Verstand gestört. Die Ursachen dieser Verschiedenheit lagen,wie in dem Charakter Alexander's und Hannibal's, so auch in dem Lebens-alter , in welchem ein Jeder von ihnen seine Kriegsthaten vollbrachte,nämlich : der Erste zwischen dem zwanzigsten und zweiunddreissigstenJahre seines Lebens, der zweite zwischen dem fünfundzwanzigsten undvierundvierzigsten Jahre, der Letztere also in weit reiferem Alter alsder Erste.

Der seltene Geist Hannibal's zeichnete sich durch besondere Gründ-lichkeit, Tiefe, Weite, Klarheit sowie durch die bei allen seinen Schrittenund Reden hervortretende Behutsamkeit, Feinheit und Verschlagenheitaus. Er war auch mit verschiedenartigen Kenntnissen ausgerüstet, denn,wie bereits früher bemerkt, hatte Hannibal in seiner Kindheit eine sorg-fältige griechische Bildung erhalten und stand in dieser Beziehung weithöher als die römischen Feldherren, weil zu dieser Zeit die griechischeBildung bei den Römern noch nicht verbreitet war.

Ebenso wie die Kraft des Geistes bei Hannibal sich bei allen Ge-legenheiten in Gründlichkeit, Ueberlegung und geschickter Anordnungdocumentirte, so äusserte sich seine Willenskraft im Verein mit Unter-nehmungsgeist, Kühnheit und Festigkeit der Seele in den gefährlichstenund schwierigsten Lagen als Ausdauer, Beharrlichkeit und sogar Hart-näckigkeit bei der Ausführung.

Gleich Alexander war Hannibal unermüdlich bei Anstrengungen,unerschrocken bei Gefahren, tapfer im Kampfe, aber, wie Polybius be-merkt, er vergass im Gefecht nicht die Pflicht des Feldherrn und stürztesich, ohne ganz besondere Noth und Nutzen, niemals übereilt in dasHandgemenge und setzte sein Leben nicht der Gefahr aus wie ein Front-soldat.

Gleich Alexander hatte auch Hannibal einen ungewöhnlichen mora-lischen Einfluss auf seine Krieger, die Gabe, militärische Disciplin undOrdnung unter ihnen aufrecht zu erhalten, ohne durch übermässigeStrenge ihnen die Lust am Dienste zu benehmen oder Anlass zu Deser-tionen zu geben, und zugleich die andere Gabe, ihnen unbegrenzte Liebe

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