29. Der zweite punische Krieg (21S—202). 205
festigten Städten oder Lagern, die Verbindungsstrassen der Armee zudiesen Punkten hin wurden sorgfältig geschützt. In dieser Hinsicht istdie Anlegung. Einrichtung und Sicherung der Zufuhren und der Lebens-mitteln! agazine zur Zeit der Belagerung von Capua und ebenso zur Zeitder Operationen der römischen Armeen in Lucanien, Apulien, Bruttiumund Calabrien gegen Hannibal besonders bemerkenswert]!. Nicht seltenunternahmen die römischen Heerführer, indem sie ihre eigenen Coinrnu-nicationen zu den Vorrathsmagazinen hin schützten, Operationen gegendie Verbindungen Hannibal's mit seinen Magazinen, sogar gegen dieseMagazine selbst, woraus dann von beiden Seiten gewöhnlich eine all-gemeine Action auf die Verbindungslinien unter Umgehung der Flankenentstand.
In Bezug auf die taktischen Bewegungen und das Verhalten der römi-schen Truppen im Kampfe muss man anerkennen, dass in den Schlachtendes Scipio, Marcellus und der übrigen besten römischen Feldherren dieserPeriode nicht selten mehr oder weniger geschickte und interessante Dis-positionen, Aufstellungen, Bewegungen und Actionen vorkommen. ImAllgemeinen aber sind dieselben nur als zufällige vereinzelte Abweichun-gen von einer und derselben Hauptform zu betrachten, welche unver-ändert beibehalten wurde, wie ja auch die Bewaffnung unverändert blieb.Die Schlachten bieten wesentlich eine und dieselbe Erscheinung dar:auf der einen Seite die Legion in drei Linien, auf der anderen Seite diePhalanx in einer Linie (unter Hannibal in der zweiten Hälfte des Kriegeshäufig in zwei Linien) mit dem leichten Fussvolk auf beiden Seiten vorn,der Reiterei auf den Flanken, — bei den Karthagern ausserdem dieElephanten vor der gesammten Linie, oder vor beiden Flügeln. Die Ele-phanten, welche Alexander der Grosse mit Recht geringschätzte, Hanni-bal aber sonderbarer Weise nicht verwarf, brachten auch in diesemKriege, wie in der Mehrzahl der früheren, weit mehr ihren eigenen alsden feindlichen Truppen Schaden, indem sie sich zurück gegen diesewandten und sie in Unordnung und Verwirrung brachten, sodass sie da-durch häufig Ursache zu deren Niederlage zu werden pflegten. Die einfür allemal unwandelbar feststehende Aufstellung der Reiterei auf denFlanken hatte immer den Zweck, den Feind zu umfassen und ihn inFlanken und Rücken anzugreifen, was auch gewöhnlich der einen oderanderen Seite auf der einen oder auf beiden Flanken gelang und zumSiege beitrug. In der Action des schweren Fussvolkes, Legion wie Pha-lanx, gegen einander erscheint fast immer gleichmässig ein einfacherparalleler Frontalangriff, nur selten ein solcher in schräger Schlacht-ordnung, wie ihn Alexander der Grosse und Philipp von Macedonien unddie Griechen zur Zeit des Epaminondas so liebten , dann aber nicht miteiner der Flanken, sondern mit beiden in Scheeren- oder Zangenform