206 HI- Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
(xoiXejißoXov) oder aus dem Centrum in Form des Keils (eixßoXov). DieAufstellung der Legion in drei Linien erwies sich hierbei grösstenteilserlieblich, nicht selten entscheidend überlegen über jene der Phalanx,nur in den geschickten Händen Hannibal's konnte die Phalanx die Le-gion überwinden. Im Allgemeinen betrachtet, bietet aber die Taktik indiesem Kriege, sowohl die römische auf Seiten der Römer, wie diegriechische auf Seiten der Karthager keine neue und bemerkenswertheSeite dar, die taktischen Operationen stehen auf beiden Seiten währenddes ganzen Krieges bedeutend zurück gegen die strategischen in derzweiten Hälfte des Krieges, von Seiten Hannibal's und der Römer inSuditalien. Scipio's in Hispanien und namentlich in Afrika.
Die Verfolgung des Besiegten nach dem Kampfe mit ähnlicher Ein-setzung aller Kräfte und gleicher Energie, wie sie durch Alexander denGrossen geschah, ist in diesem Kriege selten. Grösstentheils begnügtsich der Sieger mit dem Siege in der Schlacht oder mit der Wegnahmedes feindlichen Lagers, oder ausserdem noch mit einer nicht weit ge-führten Verfolgung durch die Reiterei.
In Bezug auf den Festungskrieg, d. h. Belagerung und Vertheidi-gung fester Städte, standen die Römer im Ganzen weit höher als die Kar-thager , und viele ihrer Belagerungen, besonders die von Syrakus durchMarcellus, und ebenso die von Capua und Tarent zeichnen sich durchgrosse Kunst aus und verdienen besondere Beachtung. Nur die Verthei-digung von Syrakus durch Archimedes ist vor allen übrigen Vertheidi-gungen zu nennen, wegen der aussergewöhnlichen Geschicklichkeit undKunst dieses Mannes, durch welche allerdings die Belagerung und Ein-nahme von Syrakus durch Marcellus nur noch so viel höher gestellt wird.
Zum Schluss erübrigt noch zu sagen, dass unter allen in diesemKriege thätig gewesenen Feldherren am höchsten stehen : für kurze Zeit,in den ersten Jahren nach der Schlacht bei Cannä Fabius, als der zu-erst auf das offensiv-defensive System der römischen Kriegführung ver-fiel und es begründete, dann aber den Anforderungen der Zeit und derVerhältnisse nicht mehr zu genügen vermochte, demnächst Marcellus,der zuerst den Siegen Hannibal's eine Schranke setzte, ihn selbst be-siegte und Syrakus bezwang, besonders aber Scipio, der würdigeNebenbuhler Hannibal's, der den Krieg beendete.
Was die Thaten der Karthager und ihrer Heerführer (Hannibal aus-genommen) in diesem Kriege anbetrifft, so kann man von ihnen im All-gemeinen nur sagen, dass sie in den meisten Beziehungen den Thatender Römer auf allen Kriegstheatern nachstanden. Selbst das Verhaltender nächst Hannibal unstreitig besten karthagischen Feldherren, seinerBrüder Hasdrubal und Mago, zeichnet sich nicht gerade durch Kunst undGeschick aus; in einzelnen Fällen, wie bei der speciellen Darstellung