202 III. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
Weise gleichfalls offensiv geführt hatten, demnächst 14 Jahre hin-durch von Hannibal wie von den Kömern in offensiver Defensivein Italien weitergeführt worden, in Sicilien aber, in Hispanien und end-lich in Afrika von den Römern mehr und mehr offensiv betrieben undschliesslich in der allernachdrücklichsten Offensive in Afrika durchScipio zürn Abschluss gebracht worden.
Aus diesem selben Grunde ist der zweite punische Krieg, wie imGanzen, so speciell in seiner grösseren zweiten Hälfte von 215—203 incl.in Italien ganz ausserordentlich interessant in strategischer Be-ziehung. Bisher, mit alleiniger Ausnahme etwa der Züge Alexander'sd. Gr., hatte in den Kriegen des Alterthums die Taktik die Hauptrollegespielt, die Strategie war äusserst einfach und urwüchsig. Das Schick-sal der Kriege wurde meistentheils auf deu Schlachtfeldern durch denKampf entschieden, und deshalb gingen beide Theile direct aufeinanderlos, lieferten sich eine Schlacht, und der Eine siegte, der Andere wardbesiegt, wobei gewöhnlich seine Armee aufgerieben wurde. Und wennOperationen vorkamen, die aus diesem gewöhnlichen Geleise heraus-gingen, so geschah dies entweder in Folge der Anwendung von Kriegs-listen, oder in Folge irgend welcher besonderer Dispositionen geschickterFeldherren. Solche Operationen aber und Dispositionen, welche vondem Wunsche eingegeben waren, nicht den Kampf zu suchen, sondernihn zu vermeiden, den Feind nicht durch Gewalt der Waffen, sonderndurch Klugheit des Geistes zu überwinden, durch Evolutionen und Ma-növer im Kampfe, Bewegungen im Felde , Umgehungen in Flanke undRücken, Druck auf seine Verbindungslinien u. s. w. zu siegen, kommennur selten vor, und zwar besonders deshalb, weil beide Theile gleich-massig entschieden und rein offensiv verfuhren. So machten es dieVölker des Orients, wie die Griechen und die Römer bis zum zweitenpunischen Kriege und noch in diesem Kriege selbst, stets und überall,wo sie nicht Hannibal gegen sich hatten, ja in den drei ersten Kriegs-jahren sogar auch Hannibal gegenüber. Aber von dem Zeitpunkt an,wo sie des Fabius System der defensiven Offensive annahmen und da-durch auch Hannibal zur Annahme desselben veranlassten, in Süditalienwährend der 13 Jahre von der Schlacht bei Cannä bis zu der Schlachtbei Zama, sehen wir zum ersten Male im Alterthum eine, man kannsagen, vollkommen neue Erscheinung. Beide Theile weichen gleicher-massen, oder der eine mehr, der andere weniger, dem Kampfe aus, in-dem sie örtlich starke Positionen einnehmen, grösstentheils auf Bergen,verschanzte Lager beziehen, sich scharf beobachtend, in Fühlung miteinander bleiben, aus einem befestigten Lager in das andere rücken,häufig die Flanken des Gegners umgehen, sogar auf die Verbindungs-linien wirken, mit kleinen Corps den kleinen Krieg führen, gegen Fou-