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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 3 (1875) Vom Beginn des zweiten punischen Krieges bis zum Anfang der Kriege Julius Cäsars in Gallien : (218 - 58 v. Chr.)
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29. Der zweite punische Krieg (218202). 201

Gelegenheiten zeigen, dass, wie gross er persönlich auch war, dennochseine Truppen, namentlich gegen das Ende hin, schon ziemlich schlechtund unzuverlässig waren, und bei dem ersten Unfall den Rücken gewen-det und eine Niederlage erlitten haben würden. Man kann hieraus dieallgemeine Schlussfolgerung ziehen, dass, wenn die Römer nach derSchlacht bei Cannä bis zum Ende des Jahres 203 gegen Hannibal sehrklug, vorsichtig und geschickt operirten, sie dagegen nicht kühn undentschlossen genug und nicht übereinstimmend mit ihrem gewöhnlichenVerhalten verfuhren, und dass, wenn sie bei ihren Operationen Klugheitund Vorsicht mit grösserer Entschlossenheit und Kühnheit verknüpfthätten, sie weit eher den Hannibal aus Italien hätten hinauszwingen undden Krieg beendigen können. Und wenn unter ihnen nicht ein des Han-nibal würdiger Gegner, ein geschickter, kühner und unternehmenderFeldherr in der Person des Scipio Africanus erstanden wäre, der denKrieg nach Afrika übertrug, Karthago dort angriff, Karthago's sämmtlicheArmeen, endlich den Hannibal selbst dort schlug, wer weiss, ob derLetztere sich nicht, noch länger in Italien gehalten hätte und der Kriegschon so rasch beendet worden wäre. Das Beispiel dieses selben Scipiokann hierfür als Beleg dienen. Warum war dieser ebenso geschickt com-binirte als kühne und glänzende Plan, den Krieg nach Afrika hinüber-zuspielen und dort zu beenden, nicht nur keinem der Feldherren Romsin den Sinn gekommen, sondern stiess im Senate und besonders bei Fa-bius und den älteren Senatoren auf Widerspruch? Sie haben wahrlichdamit ebensowenig Ehre eingelegt, als Scipio deren viel gewann. WäreScipio bereits früher aufgetreten, so würde auch der Krieg früher zuEnde geführt worden sein. Es ist merkwürdig, dass dieser Krieg,begonnen durch die grossartige Unternehmung eines so grossen Feld-herren wie Hannibal, in die Länge gezogen in Folge der unzweckmässi-gen und unwürdigen Politik Karthagos, der übermässigen Behutsamkeitund geringen Kühnheit der römischen Heerführer, sowie durch die ausser-gewöhnlichen, mustergültigen Operationen Hannibal's und namentlichauch durch die Macht und moralische Einwirkung seines Namens, be-endet wurde, und zwar sehr rasch und entscheidend zu Gunsten Romsbeendet wurde durch die ebenso grossartige Unternehmung eines nichtminder grossen Feldherren, des Scipio Africanus, der ausserdem geradeebenso jung an Jahren war, als Hannibal, da er den Krieg begann. DieRömer hatten viele tüchtige Heerführer in diesem Kriege aufzuweisen,aber Scipio wie Hannibal waren einzig. Wer von ihnen der Grösserewar, soll in der Folge gezeigt werden.

So war denn der von Hannibal in entschiedener Offensivegegen Rom in Italien begonnene und drei Jahre lang ebenso weiter-geführte Krieg, den auch die Römer unverständiger uud unbedachter