Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 3 (1875) Vom Beginn des zweiten punischen Krieges bis zum Anfang der Kriege Julius Cäsars in Gallien : (218 - 58 v. Chr.)
Entstehung
Seite
162
Einzelbild herunterladen
 

162 III. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (32330 v. Chr.).

märschen nach , erreichte ihn bei Venusia und warf sich ungestüm undunvermuthet auf dessen marschirende Armee, die hierbei an 2000 Mannverlor. Hierauf zog der nun zu sehr geschwächte Hannibal sich nachMetapontum zurück, von wo er Hanno ins Bruttische schickte, um Truppenzu werben. Als diese ankamen, ging er wieder auf demselben Wegenach Venusia und dann nach Canusium. Claudius Nero blieb ihm unab-lässig auf der Ferse und Hess ihn nicht aus den Augen, den Fulvius be-orderte er mit seiner Armee ins Lucanische, um Hannibal beständigzwischen drei römischen Armeen zu haben.

Inzwischen hatte Hasdrubal, nachdem er vergeblich seine Zeit mitder Belagerung von Placentiä hingebracht, dieselbe aufheben müssenohne die Stadt genommen zu haben und war endlich nach dem südlichenItalien hin aufgebrochen; 4 gallische und 2 numidische Reiter hatte ervorausgeschickt, um Hannibal von seiner Bewegung und deren RichtungNachricht zu geben. Wunderbarer Weise gelangten diese Reiter wohl-behalten durch ganz Italien bis ins Apulische, verirrten sich aber hierauf dem Wege nach Metapontum", wo Hannibal dazumal stand, geriethenzu nahe an Tarent, wurden von römischen Kriegern aufgegriffen undunter Bedeckung an Claudius Nero geschickt. Dieser las die von Has-drubal an Hannibal gerichteten Schreiben, überzeugte sich von der drohen-den Gefahr und entschloss sich in Anbetracht der ganz aus dem gewöhn-lichen Geleise heraustretenden Umstände zur Ergreifung ebenso ausser-gewöhnlicher Massregeln. Er sandte die aufgefangenen Briefe an denSenat, dem er rieth, da Hasdrubal den Hannibal aufforderte in Umbrienzu ihm zu stossen, seinerseits die Legionen aus Capua nach Rom zu be-rufen und zwei städtische Legionen nach Narnia (h. Narni) im südlichenUmbrien zu senden (was auch geschah) : bezüglich seiner selbst meldeteer, dass er sofort ins Picenische aufbrechen werde, um sich dort mit demConsul Livius zu vereinigen. Dann schickte er Eilboten zu den an demWege nach Picenum Wohnenden mit dem Befehl, für seine TruppenLebensmittel, Fahrzeuge, Pferde, Lastthiere u. s. w. bereit zuhalten,kurzum in jeder Weise für die Beschleunigung und Erleichterung seinesHeeres Vorsorge zu treffen. Aus seinem Heere wählte er die auser-lesensten Truppen (6000 Mann zu Fuss und 1000 Reiter^ aus, denen erbefahl, sich zu einem Zuge nach Lucanien bereit zu halten, brach in derNacht mit ihnen auf und eilte ins Picenische (h. die Anconische Mark),indem er seine Armee unter des Legaten Catius Befehl zurückliess.

In Rom vermochte, merkwürdiger Weise, Niemand den Entschlussdes Claudius Nero zu würdigen, im Gegentheil geriethen Alle in Ent-setzen und Angst, dass Hannibal hinter Jenem hereilen und sein kleinesCorps vernichten, oder aber dass er seine Armee angreifen und schlagenwerde, welche geschwächt unter dem Befehl eines noch unbekannten