158 HI. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
nicht sofort, als er den&Befehl dazu vom karthagischen Senate erhielt,auch nicht in der dafür günstigsten Zeit, als in Hispanien beide Scipionengeschlagen, und in Italien Hannibal noch im Besitz von Capua war undsich Tarents bemächtigt hatte, die Römer aber eine Armee bei Herdoneaverloren hatten, während eine zweite nach des Sempronius Tode ausein-ander gelaufen war, d. h. also im Jahre 212, — sondern erst im Jahre 208,vier Jahre später, als die Dinge in Hispanien wie in Italien sich bereitsvollständig zu Gunsten Roms und zu Ungunsten Hannibal's und Kar-thago's gewendet hatten. Hätte er im Jahre 212 den Zug nach Italienangetreten, so kann man mit grosser Wahrscheinlichkeit, ja fast mit Ge-wissheit annehmen, dass Rom an den Rand des Verderbens gebracht seinwürde. Im Jahre 208 war aber die Sachlage eine gänzlich andere, undHasdrubal's Zug über die Alpen konnte nur dann noch von einigem Nutzensein, wenn er mit der ganzen durch die Umstände geforderten Kunst aus-geführt wurde, rechtzeitig, so rasch als möglich, und direct nach Süd-italienhin zur Vereinigung mit Hannibal, was ja das wichtigste und haupt-sächlichste Ziel seines Zuges war. Aber Hasdrubal hatte in Hispanienganze vier Jahre lang gezögert, den geigiietsten Zeitpunkt und diegünstigsten Umstände versäumt, und dem Allen noch folgende Fehlerhinzugefügt: 1) dass er sich mit Scipio am Fluss Bätis in eine Schlachteinliess, in welcher er zufolge seiner ungeschickten Anordnungenmit grossem Verluste geschlagen wurde, was seine Armee erheblichschwächte und ihn noch länger in Hispanien aufhielt, und 2) dass erin Folge dessen über die Pyrenäen und zu den Alpen in einer so spätenZeit des Jahres zog, dass er am Westabhange der Alpen erst beim Be-ginn des Winters (im November) ankam und dadurch genöthigt wurde,den ganzen Winter über in Winterquartieren zuzubringen, während Hanni-bal zu Ende des Frühjahrs aus Neu-Karthago aufgebrochen und EndeOctober schon über die Alpen nach Italien gezogen war, im Decemberaber schon den Scipio am Fluss Ticinus und den Sempronius an derTrebia geschlagen hatte. Zu diesen beiden Fehlern, — denn solchebleiben es, wenn er auch für seine Verzögerung noch so triftige Gründegehabt haben mochte, — kam aber nach Ueberschreitung der Alpen eindritter und schwerster, der weiter unten auseinandergesetzt werden soll.Natürlich hatte seine Langsamkeit den Römern gestattet, rechtzeitig alleerforderlichen Massregeln zu treffen und ihm in Italien in ganz andererWeise als dem Hannibal, nämlich vollkommen gerüstet, entgegen zutreten.
Was nun den Marsch Hasdrubal's aus Hispanien durch die Pyrenäen,Gallien und die Alpen anbetrifft, so war er bei Weitem nicht so be-schwerlich als es vor zehn Jahren der des Hannibal gewesen. Hannibalwar unter den Feldherrn des Alterthums derErste, welcher mit einer