28. Der zweite punisehe Krieg (218—202,. 159
regulärengrossen Armee nebst Bagage und sogar Elephanten über die Alpenging, und obgleich er diesen Uebergang nur mit unglaublichen Schwierig-keiten und bedeutendem Verluste bewerkstelligen konnte, so hatte er imGanzen doch nur zwei Wochen dazu gebraucht (vom Eintritt in die Alpenbis zum Austritt aus ihnen). Für Hasdrubal war der Marsch von denPyrenäen zu den Alpen und über diese Letzteren sehr viel leichter: dietransalpinischen Gallier, namentlich die Averner (h. Auvergner) tratenihm nicht mehr feindlich entgegen, wie damals dem Hannibal. sondernnahmen ihn freundlich auf. versorgten ihn mit Lebensmitteln, stellten ihmsogar Truppen und führten ihn auf demselben Wege, den Hannibal ge-gangen war. Die Wege von ihnen aus über die Alpen waren schon weitgangbarer und bequemer: der während dieser zehn Jahre stattgehabteunausgesetzte Verkehr von Fremden hatte die Gallier bereits daran ge-wöhnt, ihre Sitten gemildert und sie darüber aufgeklärt, dass dieseFremden keinerlei feindselige Absichten gegen sie, sondern nur gegendie Kömer hegten, welche auch von den Galliern gehasst wurden. Wäh-rend also der Mühen und Gefahren für Hasdrubal weit weniger waren,als für Hannibal, hatte er doch weit mehr Zeit gebraucht. Und als ernun endlich über die Alpen gegangen und in das Padus-Thal im nörd-lichen Italien hinabgestiegen war, da machte Hasdrubal den drittenund ganz unverzeihlichen Fehler. Anstatt nämlich gerades Weges undohne abzuweichen auf sein Hauptziel, seine Vereinigung mit Hannibal inSuditalien, loszugehen und jeglichem Kampfe mit den Römern auszu-weichen , blieb er, in dem Glauben, dass die Wegnahme einer so wich-tigen Colonie Rom und ganz Italien in Bestürzung versetzen,werde, vorPlacentia (h. Piacenza) stehen und belagerte es! Die Belagerungeiner so starken Stadt musste natürlich sehr viel Mühe, Menschenlebenund Zeit kosten, und Zeit wie Streitkräfte seines Heeres hätten für Has-drubal ganz besonders kostbar sein sollen Dafür wurde er aber durchdie Folgen, welche nicht allein für ihn, sondern auch für Hannibal undganz Karthago verderblich waren, grausam bestraft.
Seine Bewegung zu der Vereinigung mit Hannibal brachte, selbstunter den für Rom günstigsten Verhältnissen, diesen Staat in grosse Ge-fahr , wie denn auch Angst und Schrecken sich ganz allgemein verbrei-teten. Um dieser Gefahr zu entgehen war ein doppelter Sieg, über Has-drubal und über Hannibal, erforderlich. Und wer konnte verbürgen, dassderselbe zu erringen sei, — und wenn er nicht erfochten wurde, musstendann nicht Hasdrubal und Hannibal vereint Rom vernichten? Die Nieder-lagen am Ticinus, an der Trebia, dem trasimenischen See, bei Cannä unddie später folgenden bis zu dem erst neuerdings erfolgten Tode des Con-suls Marcellus im Kampfe, waren noch zu frisch in Aller Gedächtniss, unddie Römer hatten sich schon daran gewöhnt, dass von ihren Feldberren die