154 III. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
setzte sich muthig zur Wehr, aber die etruskischen Reiter wandten sichbald zur Flucht und nur die 40 fregellanischen Reiter hielten getreulichbei den Consuln aus, die sie umringten und mit ihren Leibern deckten.Aber bald ward Marcellus durch einen Lanzenstich getödtet, Crispinuserhielt zwei schwere Wunden, der Sohn des Marcellus ward gleichfallsverwundet, Manlius, 1 Präfect und 18 Reiter fielen in Gefangenschaft,die Uebrigen (darunter auch Crispinus und des Marcellus Sohn) ent-kamen mit Mühe und Noth in ihr Lager, wo die Truppen zu den Waffengriffen, aber keine Hülfe mehr zu bringen vermochten, da das Ganze nureine Affaire von wenigen Minuten gewesen war. Hannibal wollte dieBestürzung, welche sich seiner Meinung nach jetzt der Römer bemäch-tigt haben musste, benutzen und schlug sein Lager auf dieser selben An-höhe auf, wo er den Leichnam des Marcellus fand, den er mit allen Ehrenfeierlich bestatten Hess.
So fand in einem Alter von 60 Jahren einer der ausgezeichnetstenrömischen Feldherren einen plötzlichen Tod, nachdem er eine glänzendeKriegslaufbahn vollbracht hatte, der Besieger der Gallier, der Eroberervon Syrakus, und — was mehr als Alles seinen Ruhm erhöhte — derErste, welcher den Siegen und Erfolgen Hannibal's eine Grenze ge-setzt und von sieben grossen Schlachten gegen diesen nur eineeinzige verloren hatte! Der Anlass, bei welchem er sein Lebenverlor, war der einzige Fehler während seines Lebens, denn, wie TitusLivius mit Recht sagt, hier war sein Verhalten weder seinem Alter, nochüberhaupt der verständigen Vorsicht eines so vorzüglichen Feldherrn an-gemessen. Aber den schweren Vorwurf des Mangels an Einsicht, denPolybius ihm macht, verdient er nicht. Allerdings war er höchst unvor-sichtig gewesen, indem er selbst zur Recoguoscirung des Terrains sichbegeben hatte, statt einen Anderen mit einem Truppencorps zu schicken,aber er hatte Nichts gethan, was seine ganze Armee hätte in Gefahr brin-gen können, und sein Tod war ein grosser Verlust für die Römer. Abersein und des Crispinus oben entwickelter Operationsplan verdienen dievollste Anerkennung, und ohne den traurigen Vorfall bei Bantia würdendie Resultate desselben für die Römer unzweifelhaft sehr günstig aus-gefallen sein. Was Hannibal anbelangt, so sind seine Operationen wäh-rend dieses Jahres ganz eines so grossen Feldherrn würdig. AusserStande, dem an Zahl weit überlegenen Gegner in offener Feldschlachtgegen überzutreten, ersetzte er den Mangel an Kraft durch List undbrachte dem Feinde zweimal, das Terrain vortrefflich ausnutzend, klei-nere Niederlagen bei, von denen die letzte, bei Bantia, durch ihren star-ken moralischen Eindruck, fast einem erfochtenen Siege gleich kam.
Nach dieser Affaire führte Crispinus seine Armeen in andere Lager,weiter entfernt, und er wie Hannibal beschränkte sich auf blosse Beob-