28. Der zweite punische Krieg (218—202). 153
Bantia (li. Santa Maria di Vauro) Lager dicht bei einander. Haunibalfolgte dem Crispinus und lagerte sich nahe bei Bantia, beiden römischenArmeen gegenüber sich auf der Defensive haltend und nur durch dieleichte Reiterei den kleinen Krieg führend. Indessen hatten die Consulneinen Theil der Besatzung von Tarent und den Cincius mit dem Ge-schwader von Sicilien nach Lokri zu ziehen beauftragt, behufs Belage-rung dieser Stadt. Haunibal erfuhr durch Bewohner von Thurii, dassTruppen aus Tarent nach Lokri gehen sollten, legte auf der Strasse, diesie zu ziehen hatten, 3000 Mann zu Fuss und 2000 Reiter in Hinterhalt,— und die römischen Truppen, die ganz sorglos ohne Vorsichtsmass-regeln marschirten, wurden geschlagen; 2000 Mann fielen, 1200 wurdengefangen genommen, die übrigen flohen nach Tarent zurück.
Marcellus hegte indessen den sehnlichsten Wunscb, Haunibal zumKampfe zu zwingen; Hannibal aber fühlte sich zu schwach, um mitbeiden römischen Armeen den Kampf aufzunehmen und nahm deshalbseine Zuflucht zur List und benutzte das Terrain zwischen seinem undden römischen Lagern zur Legung eines Hinterhaltes. Es befand sichnämlich zwischen ihnen eine bewaldete Anhöhe, die von den Römernnicht besetzt war, da sie den gegenüberliegenden Rand der Anhöhe nichtkannten, welcher sich bis zu dem Lager Hannibal's hinzog, — und auchHannibal hatte sie nicht besetzt, da er sie geeigneter zu einem Hinter-halt als für ein Lager erachtete, und hatte sich deshalb damit begnügt,in den Wald auf dem Berge einen starken numidischen Wachtposten zustellen, welcher aber absolut nicht zu sehen war. In beiden römischenLagern forderten Alle die Besetzung dieser Anhöhe mit Truppen und so-gar die Anlage einer Verschanzung auf derselben. Dies veranlasste denMarcellus zu dem Vorschlage, dass er mit Crispinus zusammen auf diesenBerg reiten wolle, um sich persönlich zu orientiren und zu recognosciren.Crispinus war einverstanden, und beide Consuln begaben sich nun inBegleitung der Kriegstribunen Marcellus. Sohn des Consuls, und Manlius,zweier Präfecten der Verbündeten und von 180 etruskischen und 40 fre-gellanischen Reitern nach der Anhöhe, nachdem Marcellus seiner Armeenoch aufgetragen hatte, sich zu dem Marsche eben dorthin bereit zuhalten, wenn das Terrain auf dieser Anhöhe sich für ein Truppenlagergeeignet erweisen sollte.
Die Anführer der Numidier in dem Waldversteck liessen, sobald siebemerkten, dass die Consuln sich hierher wendeten, einen Theil der Nu-midier den Eingang in die Schlucht besetzen, welche zur Anhöhe herauf-führte und in eine kleine Ebene vor des Marcellus Lager auslief. Alsden Consuln auf. diese Weise der Rückweg abgeschnitten war, brachendie Numidier aus dem Walde auf die Anhöhe hervor und griffen Jene vonallen Seiten an. Das kleine Häuflein der um die Consuln Geschaarten